Zwei Tote durch Legionellen in Bielefeld

Stefan Becker

Symbolbild. - © Pixabay
Symbolbild. (© Pixabay)

Bielefeld. Mitarbeiter der Arbeiterwohlfahrt (AWO) sind mit einem Legionellen-Skandal im Bielefelder Seniorenzentrum Baumheide an die Öffentlichkeit gegangen. In zwei anonymen Schreiben, die der Redaktion vorliegen, erheben sie schwere Vorwürfe gegen ihren Arbeitgeber. Das Gesundheitsamt hat zwei Infektionen mit Todesfolge, die erst wenige Wochen zurückliegen, gegenüber dieser Zeitung bestätigt. Ein Bewohner des Heimes und eine Mitarbeiterin sind positiv auf Legionellen getestet worden und im Verlauf der Erkrankung gestorben.

Eine weitere Mitarbeiterin sei ebenfalls erkrankt, befinde sich aber auf dem Wege der Besserung, teilt die AWO in einer Stellungnahme mit. Darin sprechen die Verantwortlichen ihr Bedauern über die Situation aus und schreiben, dass mittlerweile keine Gefahr mehr für die Bewohner und die Mitarbeiter des Hauses bestehe. Dies aber genügt den Verfassern der anonymen Briefe nicht – sie haben laut eigenen Angaben Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattet.

"Restriktives Duschverbot"

Bereits bei einer Routine-Kontrolle im April dieses Jahres soll das Gesundheitsamt laut Angaben einer Sprecherin zu hohe Legionellenwerte im Trinkwasser des Altenheimes festgestellt haben.

Die Behörde ordnete Gegenmaßnahmen an und verlangte das Erstellen einer Gefährdungsanalyse. Doch statt einer Verbesserung verschlechterte sich die Legionellen-Belastung dramatisch: „Eine Probe von Anfang Juli wies einen Wert von 16.000 koloniebildenden Einheiten auf – bei 10.000 verhängen wir ein restriktives Duschverbot", sagt die Sprecherin.

Heim-Mitarbeiterin infiziert

Das trat am 15. Juli ein, doch da lagen dem Amt bereits die Meldungen zu den zwei mit Legionellen kontaminierten Personen vor – die beide starben. Und noch eine weitere Heim-Mitarbeiterin hatte sich in der kritischen Phase mit den Bakterien infiziert. Denn nach dem Verhängen des „Duschverbots" musste die Heimleitung zwingend Filter in die Armaturen einbauen, die weitere Erkrankungen verhinderten.

Da die erste abgegebene Gefährdungsanalyse offenbar unbefriedigend ausfiel, lieferte die AWO bis Anfang August eine zweite nach. Laut des Bielefelder Gesundheitsamtes reichte die AWO dann am Montag ein Sanierungs-Konzept zum Beheben der Missstände ein – die letzen Arbeiten ziehen sich demnach bis Anfang 2020 hin.

Bleibt die Suche nach der Ursache für die Kontaminierung des Trinkwassers. „Wir hatten starke Legionellenwerte an einzelnen Zapfstellen. Die Ursache kann nicht genau festgestellt werden", so die AWO. Von Ermittlungen der Staatsanwaltschaft sei bisher nichts bekannt.

Information

Gefährliche Bakterien

Legionellen vermehren sich stark in warmem und stehendem Wasser. Heißes Wasser ab 60 Grad tötet die Bakterien. Vernebelt das kontaminierte Wasser beim Duschen, bilden die eingeatmeten Tröpfchen eine tödliche Gefahr. Zu den Infektionsquellen zählen Duschen, Luftbefeuchter, Wasserhähne und Klimaanlagen. In Deutschland sterben jedes Jahr bis zu 30.000 Menschen an der Legionellose: Die Legionärskrankheit tritt als schwere Lungenentzündung auf.

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