Bielefeld/Hiddenhausen. Unterdurchschnittliche Kirschernte und wahrscheinlich weniger Birnen: Die ersten Zahlen zur Obsternte des Statistischen Bundesamtes (Destatis) klingen nach einem Stressjahr. Doch andere Sorten machen sich gut, sagen zwei Obstbauern aus Ostwestfalen-Lippe.
Zunächst zu den Zahlen: 36.000 Tonnen Birnen werden in diesem Jahr laut Destatis erwartet, das sind 7,4 Prozent weniger als im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre. Das wichtigste Bundesland für den Birnenanbau ist Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen liegt mit erwarteten 5.400 Tonnen (15,1 Prozent) auf dem dritten Platz.
Auf dem Obsthof Otte in Hiddenhausen (Kreis Herford) ist man dagegen guter Dinge: Auch die Birnenernte verlaufe "erfreulich gut", sagt Charlotte Otte. Sie baut neben Birnen und Äpfeln auch Zwetschgen und Sauerkirschen an, außerdem Himbeeren und Erdbeeren (Beerenobst). "Eigentlich war es eine normale Ernte", sagt sie, trotz intensiver Regenperioden. Die Sauerkirschen lieferten zwar, wie im Bundesschnitt, eher unterdurchschnittlichen Ertrag. Zwetschgen seien dagegen sogar überdurchschnittlich gut gewachsen.
Geschützter Anbau gegen Wetterextreme
Insgesamt sieht es in NRW bei Obst und Früchten bislang ganz gut aus: Die Landwirte seien mit der Erdbeerernte zufrieden, sagt Saskia Wietmann von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. Die Mengen seien zwar geringer als in den Vorjahren, passten aber zur Nachfrage. Im Freiland wurde rund ein Prozent weniger angebaut, unter hohen begehbaren Schutzabdeckungen wie Gewächshäusern rund 25 Prozent weniger.
Otte setzt auf den geschützten Anbau. Sie rechne damit, dass sich der Anbau verändern muss, um vor Extremen zu schützen. "Unsere Himbeerernte war in Ordnung, aber auch nur, weil wir den geschützten Anbau haben", sagt Otte. "Da kommt man nicht mehr drumherum."
Erdbeeren, Birnen und Äpfel würden zunehmend Sonnenbrand bekommen. Insgesamt nähmen die Wetterextreme zu, sagt die Landwirtin, auch wenn es in diesem Jahr keine nennenswerten Extreme gegeben habe. Seit einigen Jahren stelle sich zudem die Frage nach Wasserverfügbarkeit. Bei der Sortenwahl werde das in Zukunft eine stärkere Rolle spielen, ist sich Otte sicher.
"Eigentlich gutes Apfeljahr"
Insgesamt gebe es viele Faktoren, die die Ernte beeinflussen, betont Otte. Während ihre Äpfel dieses Jahr wegen des starken Niederschlags große Fruchtgrößen entwickelten, sieht das bei dem Bielefelder Obstbauern Theodor Weyand ganz anders aus: "Eigentlich wäre dieses Jahr ein gutes Apfeljahr gewesen", sagt er zwar. Der Obstbauer baut auf zwei Hektar im Stadtteil Ummeln 18 verschiedene Apfelsorten an. Wegen der Wärme breitete sich aber Apfelschorf aus, ein Pilzbefall. Die Folge: kleine Äpfel, geschädigte Außenhülle. Nicht weiter tragisch. "Aber die Leute sind zurückhaltend", weiß Weyand. "Sie sind es gewohnt, im Supermarkt die immer gleichen Äpfel zu kaufen."
Im Vergleich zum Vorjahr rechnet Weyand trotzdem mit keinen großen Einbußen. Einige Sorten hätten dieses Jahr besser verkraftet, während im vergangenen Jahr andere mehr Ertrag brachten. "Das gleicht sich so aus. Wir hatten schon sehr viel schlechtere Zeiten."
Über das Wetter könne er nichts Negatives sagen: Es habe diesen Sommer nicht einen Hagelschauer gegeben, der die Äpfel beschädigt hätte. In Ummeln dürfe man wegen des Sandbodens ohnehin keine hohe Leistung erwarten. In diesem Jahr rechnet er mit acht bis neun Tonnen Äpfeln – ein guter Mittelwert, sagt Weyand.