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Nachwuchsprobleme der Truppe

Debatte um Rückkehr zur Wehrpflicht neu entbrannt - das sagt OWL

Chef des Bundeswehrverbands reagiert auf Vorstoß des Verteidigungsministers zur Kriegstüchtigkeit. OWL-Politiker positionieren sich unterschiedlich.

Berlin/Bielefeld. Angesichts zunehmender Konfliktlagen in der Welt fordert der Vorsitzende des Deutschen Bundeswehrverbandes, André Wüstner, die Politik auf, mehr zu unternehmen, um die Truppe wehrhaft zu machen. Es brauche Methoden, um wieder mehr Frauen und Männer für die Bundeswehr zu begeistern. Gelinge es der Bundesregierung nicht, die Attraktivität des Dienstes zu stärken, so „werden wir nicht darum herumkommen, uns mit Konzepten des Dienstjahres oder der Wehrpflicht erneut auseinanderzusetzen“, sagt Wüstner.

Die Wehrpflicht war im Jahr 2011 nach 55 Jahren vom damaligen CSU-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ausgesetzt worden. Doch seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine gerät das Thema neu in den Blick. Erst kürzlich hatte Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) mehr Wehrhaftigkeit gefordert. „Wir müssen uns wieder an den Gedanken gewöhnen, dass die Gefahr eines Krieges in Europa drohen könnte“, sagte Pistorius. Das bedeute: „Wir müssen kriegstüchtig werden. Wir müssen wehrhaft sein.“ Der SPD-Politiker hatte die Aussetzung der Wehrpflicht als einen Fehler bezeichnet.

CDU-Politikerin Kerstin Vieregge aus Lippe bezeichnet den Vorstoß Wüstners als logische Konsequenz. Wenn Begriffe wie „Verteidigungsfähigkeit“ und „Kriegsbereitschaft“ mehr als bloße Worte sein sollten, müsse die gesellschaftliche Debatte über den Wert der Freiheit und deren Schutz jetzt geführt werden. Die Diskussionen um die Wiedereinführung der Wehrpflicht oder ein Gesellschaftsjahr forderten die Gesellschaft heraus, sich mit ihrem Beitrag zum Gemeinwohl auseinanderzusetzen, sagt Vieregge, die für die CDU im Verteidigungsausschuss des Bundestags sitzt. Der Grundsatz, dass jeder Bürger von Natur aus Verteidiger des Landes sei, habe auch heute Bestand.

Wiebke Esdar: Es braucht attraktive Arbeitsbedingungen

Es brauche keine Wiedereinführung der Wehrpflicht, sondern attraktive Arbeitsbedingungen, meint hingegen Wiebke Esdar. Das betrifft in den Augen der SPD-Bundestagsabgeordneten aus Bielefeld die Ausbildung und Ausstattung der Truppe sowie eine angemessene Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Laut Bundeswehrverbandschef Wüstner muss zur Personalgewinnung an Schulen über Bundeswehr, Polizei oder Katastrophenschutz informiert werden. „Was ist schlecht daran, unserem Land zu dienen und unseren Frieden, unsere Freiheit zu verteidigen?“

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