Gütersloh. Entspannt im Kino einen Blockbuster auf der Leinwand schauen, dabei zwei Stunden abschalten und sich berieseln lassen. Was auch in Gütersloh nach gemütlichem Abendprogramm klingt, ist bei einem aktuell erschienenen Film momentan kaum möglich. Die Rede ist vom neuen Minecraft-Film, basierend auf einem weltweit bekannten und erfolgreichen Computerspiel. Seit Anfang April läuft „Ein Minecraft Film“ auch im Gütersloher Filmwerk, überaus erfolgreich und meist mehrfach am Tag. Und ein Tiktok-Trend aus den USA sorgt dafür, dass Zuschauer den Film in den meisten Fällen nicht mehr entspannt und gemütlich im Kino verfolgen können. Wenn im animierten Film ein Zombie auf einem Huhn in den Boxring reitet und Hauptdarsteller Jack Black „Chicken Jockey“ schreit, nimmt das Spektakel seinen Lauf. Dann werfen die Menschen plötzlich in großen Mengen Popcorn durch die Kinos, in den USA werden laut Medienberichten regelmäßig Feuerwerkskörper gezündet und ein Besucher hat sogar ein lebendes Huhn mit in die Vorstellung gebracht. Tiktok-Videos dieser turbulenten Aktionen gehen weltweit viral. So extrem ist die Situation im Filmwerk an der Kaiserstraße nicht, laut Geschäftsführerin Katharina Beckmann ist der Hype aber auch in Gütersloh angekommen. Auswirkungen des Tiktok-Trends auch in Gütersloh spürbar „Auch bei uns fliegt deutlich mehr Popcorn als in anderen Filmen, das ist schon auffällig“, sagt Beckmann im Gespräch mit der NW. Vorsorglich lässt sie während der Vorstellungen Mitarbeiter im Saal aufpassen, damit es nicht ausartet. Und auch die Saalreinigung ist davon betroffen. „Zum Teil mussten wir zusätzliches Personal einsetzen, um die Kinos sauber zu bekommen“, bestätigt Betriebsleiterin Sabrina Hans. Das sei sogar so weit gegangen, dass aufgrund des Reinigungsaufwands einige Vorstellungen, die nach dem Minecraft-Film liefen, erst später starten konnten. Vereinzelt habe es zudem Beschwerden über das Verhalten der vor allem jüngeren Besucher während des Films gegeben, so Hans. Zielgruppe seien vor allem die 12- bis 14-Jährigen. Außerdem sei zu Beginn einer der im Kino platzierten Minecraft-Aufsteller geklaut worden, wohl von einer Gruppe Jugendlicher. Geschäftsführerin Beckmann ordnet die Vorfälle insgesamt als „nicht gravierend“ ein, stellt aber auch klar: „Emotionen gehören dazu und machen das Kino aus. Es ist schön, wenn bei uns was los ist. Es darf aber nicht passieren, dass sich Menschen gestört fühlen, weil sie beispielsweise Popcorn über den Kopf geschüttet bekommen oder weil es zu laut ist.“ Weitere Filme lösen in Gütersloh besonderen Hype aus Ein ähnlich actionreicher Trend wie beim Minecraft-Film ist Beckmann nicht bekannt, wohl aber der große Hype um besondere Filme. Sie selbst habe sich über die Konstellation gefreut, dass im Jahr 2023 die Filme „Barbie“ und „Oppenheimer“ parallel in den Kinos liefen. „Egal ob groß oder klein, da haben viele Menschen bei uns im Filmwerk ihre Outfits an den jeweiligen Film angepasst.“ Während Oppenheimer-Besucher sich vermehrt in dunklen Farben kleideten, fielen Barbie-Begeisterte durch pinke, rosa- oder lilafarbene Garderobe auf. Auch Sabrina Hans hat in jüngster Vergangenheit beobachtet, dass vor allem zwei weitere Filme die kreative Seite der Kinobesucher zum Vorschein gebracht haben: Wenn Star Wars läuft, sind die Räumlichkeiten in Gütersloh laut der Betriebsleiterin regelmäßig voller Lichtschwerter und anderer Kostüme. Und zu „Alles steht Kopf 2“ hätten viele junge Besucher Stofftiere mitgebracht, die an die Emotionen im Kinderfilm angelehnt waren. Dass viele Gütersloherinnen und Gütersloher sich so mit den verschiedenen Filmen identifizieren, bewerten beide als „total positiv“. Trotzdem sind sie froh darüber, dass in Gütersloh noch niemand auf die Idee gekommen ist, ein lebendes Huhn mitzubringen.