Gütersloh. „Dass unser Konzept so einschlägt, hat uns selbst überrascht“, gibt Frederik Wiedei zu und lacht. Der Gütersloher ist gemeinsam mit Martin Hünten Geschäftsführer eines der erfolgreichen Start-ups des heimischen Unternehmens Miele, das mittlerweile weit über Deutschlands Grenzen hinaus bekannt ist. Unter der Marke „appWash“ statten die Gründer mit ihrem Team heute Waschküchen in Studentenwohnheimen, Mehrfamilienhäusern und Campingplätzen in ganz Europa aus und vernetzen sie mit ihrer eigenen App. Der Vorteil: Nutzer können somit bargeldlos bezahlen. Die Idee hinter „appWash“ ist vor fünfeinhalb Jahren im Rahmen der Ausarbeitung neuer Geschäftsmodelle innerhalb des Smart-Home-Bereichs von Miele entstanden. Wiedei und Hünten erstellten damals das neuartige Konzept und präsentierten es der unternehmensinternen Miele Venture Capital Einheit. Sie war sofort überzeugt und investierte. Kunden können sich Waschmaschinen reservieren Das Geschäftsmodell hinter „appWash“ fußt auf zwei Angeboten. Zum einen fungiert das Start-up als Abrechnungsdienstleister für Waschküchen-Betreiber. Das Gütersloher Team vernetzt bereits vorhandene Waschküchen und -keller mit ihrer digitalen Plattform. Dafür werden die Maschinen über einen Router mit dem Internet verbunden und in das digitale „appWash“-System integriert. „Das ist auch bei älteren Maschinen möglich“, sagt Martin Hünten, der vor vierzehn Jahren bei Miele angefangen hat. Kunden können sich über die App eine freie Waschmaschine reservieren und den Waschgang online bargeldlos bezahlen. Pro Abwicklung erhält das Start-up eine Gebühr; der Rest des Umsatzes wird am Monatsende an den Betreiber überwiesen. Zum anderen agiert das Gütersloher Unternehmen selbst als Waschküchen-Betreiber, indem es neue Räume zu Waschmaschinenräumen ausbaut. Das Start-up übernimmt von der Planung über den Einbau bis hin zum späteren Betrieb alles. Auch die Preisgestaltung liegt in solchen Fällen bei „appWash“; abgerechnet wird direkt mit dem Kunden. Bezahlt wird ebenfalls über die App. „Die Umsätze bleiben dann komplett bei uns“, betont Hünten. Gütersloher Start-up in 25 Ländern in ganz Europa erfolgreich Als die Gründer 2019 gestartet sind, waren die meisten Waschmaschinen und Trockner noch mit Münzautomaten ausgestattet, die regelmäßig geleert werden mussten und durchaus auch mal von Kriminellen aufgebrochen wurden. „Wir haben uns damals gedacht, dass der Bezahlvorgang doch auch besser und vor allem unkomplizierter sein kann“, erinnert sich Frederik Wiedei. Lesen Sie auch: Miele-Expertin rät: Drei Fehler sollten Sie an der Waschmaschine vermeiden Die von den Güterslohern entwickelte digitale App-Lösung sei deutlich komfortabler – für Nutzer und Betreiber. 300.000 Menschen in ganz Europa nutzen die App der Gütersloher heute schon. Seit etwa einem Jahr können die Waschmaschinen zusätzlich auch mit einem Kartenlesegerät ausgestattet werden, sodass Kunden nicht nur über die App, sondern auch mit allen gängigen Karten zahlen können. Laut den Gründern wird alle vier Sekunden eine „appWash“-Maschine gestartet. Das Start-up erzielt einen zweistelligen Millionenumsatz. Das Start-up ist in 25 Ländern im Einsatz. Sitz in Mohn-Media-Immobilie in Gütersloh „Wir profitieren als hundertprozentige Miele-Tochter stark von den Infrastrukturen und Kontakten, die Miele auf der ganzen Welt hat“, sagt Frederik Wiedei. 20 Mitarbeiter sind derzeit am Sitz in Gütersloh für „appWash“ im Einsatz. Nachdem Martin Hünten und Frederik Wiedei zunächst alleine in einem kleinen Co-Working-Space am Langen Weg gestartet sind, hat sich das Start-up mittlerweile in die oberste Etage der Mohn-Media-Immobilie an der Carl-Bertelsmann-Straße eingemietet. Übrigens direkt über einem anderen Miele-Start-up. Das Team von Repartly, einem neuartigen Reparaturservice ?für Hausgeräte, arbeitet eine Etage tiefer. „Der Austausch mit anderen Gründern ist total bereichernd für uns“, sagt Martin Hünten. Regelmäßig gehen er und sein Geschäftspartner mit dem Gründer von Repartly, Lennart Osthoff, gemeinsam Mittag essen. Auch interessant: Lemgoer Startup bringt Koffein in Tee und Limonade „Wir haben immer an unsere Idee geglaubt, aber die Dimensionen, die wir mit unserem Konzept erreichen können, haben wir ehrlich gesagt erst im Laufe des ersten Jahres realisiert“, sagt Martin Hünten und grinst, „mittlerweile wissen wir: Der Markt ist riesig und wir sind noch lange nicht fertig.