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Pfeifertag

Rattenfänger-Tag in Hameln: Als am 26. Juni die Kinder die Stadt verließen

Geheimnisvoller Fremder: Schauspieler Götz Otto als Rattenfänger in der ZDF-Serie "Hameln" © Quelle ZDF/Guido Marx

Hameln. Wir kennen die Geschichte: Im Jahr 1284 ließ sich in Hameln ein buntgewandeter Mann blicken. Er befreite die Stadt von lästigen Nagern, doch die Hamelner prellten ihn um seinen Lohn. Am 26. Juni, dem Tag der Heiligen Johannes und Paulus, kehrte er zurück, lockte aber diesmal nicht Ratten und Mäuse, sondern 130 Hamelner Kinder aus der Stadt. Er führte sie nach ... Nun, genau das ist seitdem ein Rätsel.

Der erzählerischen Glaubwürdigkeit der Sage tut so ein konkretes Datum natürlich gut. So gilt der 26. Juni also heute als Tag des Kinderauszugs. Auch die Inschrift am Rattenfänger-Haus verweist darauf. Und die Suche nach dem „historischen Kern” der Sage dreht sich immer wieder auch um diesen Tag. Wobei das Datum der Sage dann doch keine so eindeutige Angelegenheit ist.

Andere Daten in Umlauf

„In Hameln selbst ist dazu erst mal nichts Schriftliches überliefert, zumindest nicht aus dem dreizehnten Jahrhundert“, fasst Hamelns Museumsleiterin Claudia Höflich zusammen. Der älteste erhaltene Bericht vom Kinderauszug ist ein im 15. Jahrhundert entstandener Nachtrag zu einer Lüneburger Handschrift des Mindener Dominikanermönchs Heinrich von Herford. Da lag der angebliche Kinderauszug aber auch schon rund 150 Jahre zurück.

Auch andere Jahreszahlen werden in Quellen hier und dort genannt. Der englische Dichter Robert Browning zum Beispiel machte die Sage in seinem Sprachraum noch einmal Jahrhunderte später - im 19. Jahrhundert - berühmt. Browning dichtete in seiner Version vom „Pied Piper of Hamelin“ aber über einen Kinderauszug 22. Juli 1376.

Doch sei‘s drum: Der 26. Juni 1284 hat sich durchgesetzt. In Hameln wurde er in vergangenen Jahren auch schon mit großen fröhlichen „Kinderauszügen“ gewürdigt.

Zudem liegt in Rathaus-Schubladen seit etwa zwei Jahren die Idee, den Rattenfänger-Literaturpreis zu einem großen „Festival für fantastische Geschichten“ auszubauen und dann vielleicht terminlich rund um den Pfeifertag zu platzieren. In der Schublade wird diese Idee angesichts leerer Kassen aber wohl auch bis auf Weiteres bleiben.

Das Museum Hameln bietet an diesem Pfeifertag - Donnerstag, dem 26. Juni - nun öffentliche Führungen zum Rattenfänger an. Ist die Geschichte tatsächlich so passiert? Wer war der geheimnisvolle Fremde? Rattenfänger-Experten wollen in der Ausstellung ab 13 und 15 Uhr Antworten geben. Der Eintritt zum Museum ist zudem an diesem Tag frei (museumhameln.de).

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