Bielefeld. Einige Frauen, die im Wiesenbad schwimmen, sind verärgert. Grund: Männer betreten zum Putzen die Frauenumkleide. Das Thema ist sensibel, es geht um Intimsphäre, Scham, Schutz, Wohlbefinden. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Es ist komplex, es ist eine Gratwanderung zwischen nachvollziehbarem Anspruch und einer Wirklichkeit, die zu ändern offenbar schwerfällt. Barbara Diederich hält es für einen vollkommen normalen Anspruch, dass sensible sanitäre Frauenbereiche mitten im Bäder-Betrieb nicht von Männern geputzt werden. Sie beschwerte sich – mehrere Ebenen sind involviert. Diederich, die mit Freundinnen das Thema aufgeworfen hat, berichtet von konkreten Vorfällen, so, dass „zum wiederholten Male eine männliche Kraft die Damenumkleide betreten hat – ohne Einverständnis aller Frauen“. Zehn Zeuginnen gebe es dafür. Und es sei kein Einzelfall, das hätten Gespräche mit anderen Frauen im Bad ergeben. Das Einverständnis der Frauen, das betont das Beschwerdemanagement der Stadtwerke, müsse eingeholt werden. Bad-Chef Louis Schröter betont den Ablauf, der für seine Kollegen zwingend vorgeschrieben sei: „Erst anklopfen, dann reinrufen, dann besprechen sich die Frauen drinnen – und wenn sie einverstanden sind, geben sie unserer Putzkraft ein Signal.“ Erst dann werde der lange Flur, der zur von der Tür aus nicht einsehbaren Umkleide führt, betreten. Beschwerden seien echte Einzelfälle. BBF-Chef holt sofort eine weibliche Kraft aus anderem Bad Ein Vorgehen, das BBF-Chef Marcus Lufen für angemessen hält. Er mag aber nicht ausschließen, dass dennoch „ab und zu mal einer nicht sensibel genug ist“. Fünf BBF-Männer seien im Wiesenbad als Putzkraft beschäftigt. Laut Lufen haben sich auf Ausschreibungen bisher einfach keine Frauen beworben. Da ihm das Thema wichtig ist, hofft er, bald weibliches Personal aus anderen Bereichen der Stadtwerkegruppe zu gewinnen. „Das prüfen wir gerade.“ Fünf Stunden später meldet er sich noch einmal: „Zum 1. August stößt eine Frau zum Team, sie wird vorrangig tagsüber im Betrieb eingesetzt.“ Hinzu komme ein neues Info-Schild an der Tür. Putzfrauen als Rarität, ein Schild als Lösung? Für Diederich wirft beides Fragen auf: „In jeder Schule gibt es fast nur Putzfrauen, es kann doch nicht sein, dass das im Bad nicht klappt – und beim Schild habe ich das Gefühl, dass es eine Art Freifahrtsschein sein soll.“ Lufen sieht das anders, er stellt aber auch klar, dass das Problem nicht komplett gelöst werden könne. „Wir geben uns Mühe, doch setze ich hier am stärksten auf das Stichwort Sensibilität.“ Und, auch das gehöre zur Wahrheit: „Wir leben in einer Gesellschaft, in der es nicht nur Mann und Frau gibt, wir alle müssen sensibel sein, und ein reines geschlechtsspezifisches Aufteilen ist bei uns im Alltag nur schwer möglich.“ Lufen zum notwendigen Aufwand im Bad: „Wir müssen nicht nur die Grundreinigung außerhalb des Betriebes leisten, sondern auch die Unterhaltsreinigung während des Badbetriebes, anders geht es nicht.“ Denn: „Unsere Badegäste wünschen sich auch Sauberkeit.“ Überall, wo es Sanitärbereiche gebe, sei die Herausforderung ein Dreiklang: Schutz, Sicherheit, Sauberkeit – entscheidend seien da Sensibilität und ein respektvoller Umgang miteinander. „Das ist meines Erachtens ein absolutes Unding“ Barbara Diederich sieht das anders, sie schrieb an die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, Agnieszka Salek: „Es ist meines Erachtens ein absolutes Unding, dass auch nur ansatzweise die Möglichkeit bestehen soll, Männern den Zutritt in einen der letzten geschützten Bereiche zu gestatten. Und ein Anklopfen kann unmöglich ausreichen, um sich Zutritt zu verschaffen. Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, dass zu irgendeiner Zeit die Zustimmung aller dort anwesenden Frauen vorhanden ist.“ Das konnte Salek auch nachvollziehen: „Das bloße Anklopfen reicht in diesem Fall tatsächlich nicht aus, um die Privatsphäre und den Schutz der Frauen im Umkleidebereich zu gewährleisten.“ Sie werde sich mit der Stadtwerke-Gleichstellungsbeauftragten in Verbindung setzen, Lösungen könnten „ausschließlich weibliches Reinigungspersonal“ bei den Frauen sein – oder „generell keine Reinigung während der Nutzung der Umkleiden“. Doch der Kontakt zwischen Salek und Katrin Hinney führte zu keiner Lösung, weibliches Personal fehle, gereinigt werden müsse – und alle Varianten (Reinigung zu festen Uhrzeiten und/oder Sperrung der Umkleide während der Reinigung) seien im sommerlichen Hochlastbetrieb nicht umsetzbar. Hingewiesen wurde Diederich aber darauf, dass es auch zwei nicht einsehbare Umkleideschnecken auf dem Gelände des Bades gebe – und in der Umkleide vier Einzelkabinen mit Sichtschutz. Dazu Diederich: „Ja, aber so niedrig, dass viele Männer da problemlos reinschauen können.“ Sie ist verärgert: „Warum es nicht möglich sein soll, Reinigungszeiten festzulegen und diese per Schild kundzutun, ist mir ein Rätsel und im Grunde auch keine logistische Herausforderung.“ Sie erwarte einfach mehr Respekt vor der sensiblen Situation der Mädchen und Frauen in der Umkleide. „Es sollte ein geschützter Bereich sein – und ein geschützter Bereich bleiben.“