Hameln. Der Explosionsknall war ohrenbetäubend laut. Anwohner der Pfälzer Straße wurden um 0.30 Uhr aus dem Schlaf geschreckt. Auf der Fußgängerbrücke, die über die Hamel führt, war ein nach Erkenntnissen der Polizei selbst gebauter Sprengsatz gezündet worden. Die Explosion habe „ein kreisrundes Loch“ in den WPC-Belag der Brücke gerissen und die Ummantelung einer Kondensatleitung des Fernwärmenetzes oberflächlich beschädigt, sagte die Erste Staatsanwältin Kathrin Söfker am Donnerstag auf Nachfrage der Dewezet. WPC – diese drei Buchstaben stehen für Wood Plastic Composites. Das sind Holz-Kunststoff-Verbundwerkstoffe. Die Polizei leitete ein Verfahren „wegen Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion“ ein. Wir verurteilen diese Tat auf das Schärfste. Hier wurde ein Brückenbauwerk und damit Infrastruktur der Stadt in Mitleidenschaft gezogen“, sagt der städtische Referatsleiter und Behördensprecher Thomas Wahmes. Womöglich seien durch die Tat auch Menschen gefährdet worden. „Ich frage mich: Wie kann man nur so etwas tun? Was mögen die Beweggründe gewesen sein?“ Der leitende Rathaus-Mitarbeiter findet deutliche Worte: „Anschläge auf städtische Infrastruktur und damit auf das Eigentum der Allgemeinheit sind durch nichts zu rechtfertigen. So etwas ist kein Kavaliersdelikt.“ Reparatur der Brücke könnte aufwendig sein Zur genauen Höhe des Schadens kann die Stadt Hameln noch keine Angaben machen. „Fest steht aber, dass es sich nicht nur um einen Bagatellschaden handelt. Die Reparatur wird nach meiner Einschätzung aufwendig sein, da vermutlich komplette Teile des Bodenbelags der Brücke und womöglich auch tragende Elemente ausgetauscht werden müssen“, sagt Wahmes. Mitarbeiter des städtischen Betriebshofs haben das Loch provisorisch mit einer Metallplatte abgedeckt. „Die Brücke kann also weiter genutzt werden.“ Die Polizei war bereits am 4. Januar gegen 0.30 Uhr von einer Anwohnerin informiert worden. Die Frau sei durch den lauten Knall aufgeschreckt worden, hieß es. „Auch andere Bewohner sind in dieser Nacht wach geworden“, sagte die Erste Staatsanwältin im Gespräch mit unserer Zeitung. Untersuchungen seien eingeleitet, Anwohner befragt worden. Offenbar hat niemand den oder die Täter gesehen. Hinweise auf ein Motiv seien nicht gefunden worden. Politisch motivierte Tat wurde ausgeschlossen“ Da unter der Brücke Fernwärmeleitungen verlaufen, wurde auch untersucht, ob die Explosion dieser Infrastruktur gegolten haben könnte. Dass der oder die Täter die Rohre zerstören wollten, schloss die Hamelner Polizei aus. Der Sprengsatz wäre dann wohl direkt auf die Leitung gelegt oder daran angebracht worden. „Eine politisch motivierte Tat wurde ausgeschlossen“, sagte die Erste Staatsanwältin Söfker. Die Polizei kam zu dem Schluss, dass jemand einen Sprengsatz gebaut hat. Die „Zutaten“ für die Ladung könnten demnach aus einer größeren Anzahl von Silvesterfeuerwerk stammen. Spuren wurden gesucht. Was das für ein Sprengsatz war, habe sich nicht feststellen lassen, sagte Kathrin Söfker. Die Polizei bat seinerzeit auch das Technische Hilfswerk Hameln um Hilfe. Der Plan: Schnee sollte mithilfe von Zeltheizungen beseitigt werden. Dazu kam es dann aber nicht mehr. Polizei bat nicht um Zeugenhinweise Die Polizei bat im Zuge der Ermittlungen nicht um Hinweise aus der Bevölkerung. Die Inspektion informierte die Öffentlichkeit nicht über den Vorfall. Weshalb darauf verzichtet wurde, ist aktuell noch unbekannt. „Zielführende Ermittlungsansätze gab es nicht“, sagt die Erste Staatsanwältin Kathrin Söfker. Deshalb sei das Verfahren am 13. Januar eingestellt worden. „Sollten sich neue Ermittlungsansätze ergeben, wird das Verfahren sofort wieder aufgenommen“, sagte Söfker.