Düsseldorf. Rund 15 Monate vor der nächsten Landtagswahl in NRW hat sich die SPD auf ihren Spitzenkandidaten geeinigt. Jochen Ott soll für die Sozialdemokraten antreten und die Partei aus ihrer schwersten Krise holen. Aus Parteikreisen ist zu vernehmen, dass das Parteipräsidium dem Landesvorstand einstimmig vorgeschlagen hat, Ott zu nominieren. Offiziell wird der SPD-Spitzenkandidat bei einem Parteitag im Juni gekürt. Offiziell wird der SPD-Spitzenkandidat bei einem Parteitag im Juni gekürt.
Das bevölkerungsreichste Bundesland wird seit 2022 von einer Koalition aus CDU und Grünen regiert. Vor allem die CDU unter Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) kommt seitdem in Umfragen auf stabil hohe Werte von mehr als 30 Prozent. In einer großen Umfrage der NRW-Tageszeitungen, dem NRW-Check, erreichte die CDU im Sommer sogar 38 Prozent, die SPD 17, die AfD 16 und die Grünen 13 Prozent. Zuletzt kam die SPD auf 19 Prozent. Die CDU will erst nächstes Jahr bekannt geben, mit wem sie antreten wird. Die Wahl Wüsts gilt aktuell aber als sehr wahrscheinlich.
Aktuell könnte die CDU auswählen, ob sie ihre Koalition mit den Grünen fortsetzen will oder ob sie die SPD zum Juniorpartner macht. Auch in der SPD wissen sie, dass ein Sieg bei der Landtagswahl in NRW aktuell weit weg ist.
Ott führt seit Sommer 2023 die Landtagsfraktion der SPD in NRW
Mit Ott setzt die Partei nun auf einen angriffslustigen Politiker, der für seine klare Sprache bekannt ist. Der Kölner sitzt seit 2010 für die SPD im Landtag und führt seit Mitte 2023 die dortige Fraktion als Nachfolger von Thomas Kutschaty. In den vergangenen Jahren beschäftigte sich Ott vor allem mit der Bildungspolitik.
Die soll auch im Wahlkampf eine wichtige Rolle einnehmen. „Wir wollen uns vor allem um die Menschen kümmern, die in der ’Rush Hour’ des Lebens gerade mit Vollgas unterwegs sind – insbesondere die berufstätigen Familien, die durch ihren Arbeitsalltag permanent erschöpft sind“, sagte Ott im Herbst 2024 im Interview mit dieser Zeitung. Diese Leute berichteten ihm, dass die Politik jeden Tag ihr Versprechen breche, eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf herzustellen. „Das ist eins unserer Kernthemen für die nächsten Jahre“, sagte Ott.
Bei der Wahl zum Spitzenkandidaten hatte sich der 51-jährige Familienvater zuvor intern gegen die Co-Parteivorsitzende Sarah Philipp durchgesetzt. Der Duisburgerin waren in den vergangenen Wochen ebenfalls gute Chancen zugesprochen worden. Weitere gehandelte Politikerinnen und Politiker wie Bundeschefin Bärbel Bas, Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link oder Hamms Oberbürgermeister Marc Herter hatten eine Kandidatur ausgeschlossen.