Lippische Landes-Zeitung: Nachrichten aus Lippe, OWL und der Welt

Preisschlacht an den Zapfsäulen

Benzinkosten schwanken örtlich sehr stark / Unterschiede bis zu 15 Cent pro Liter / Sonderfall Gütersloh

Preisschlacht

an Zapfsäulen - © OWL
Preisschlacht an Zapfsäulen (© OWL)

Gütersloh/Minden. Wer dieser Tage in Ostwestfalen-Lippe möglichst günstig tanken wollte, rieb sich mitunter verwundert die Augen: Preisunterschiede von bis zu 15 Cent pro Liter gab es innerhalb eines Ortes. "Teilweise sehr ungewöhnlich" war die Situation aus Sicht von Sigrid Mook, Geschäftsführerin des Bundesverbandes der Tankstellen und gewerblichen Autowäschen in Minden.

Insbesondere Tankstellen an Verbrauchermärkten hätten mit extrem niedrigen Preisen, speziell in Bielefeld, Gütersloh und Minden versucht, Kunden anzulocken. Teilweise verkauften Anbieter den Treibstoff sogar ohne Gewinn oder unter Einstandspreis – was für zwei bis drei Tage laut Kartellrecht zulässig sei, so Mook. "Der Wettbewerb ist sehr, sehr hart."

In Gütersloh gibt es derzeit ein spezielles Beispiel für den harten Preiskampf, der den Kraftfahrern vor Ort zugute kommt. Der Shell-Konzern hat dort vor Wochen die Tankstelle eines Marktkauf-Supermarktes übernommen. "Das ist erstmal ein Test", sagt Shell-Sprecherin Cornelia Wolber auf die Frage, ob Shell weitere Marktkauf-Tankstellen in Deutschland übernehmen wolle. Man habe die Station in Gütersloh "längerfristig angemietet". Mit dem Geschäft sei man "sehr zufrieden". Das bundesweit einzigartige Projekt sei "Ausdruck des enormen Wettbewerbs". Ziel von Shell sei es, "dem Kunden ein flächendeckendes Angebot zu machen und das Netz zu optimieren". Shell hat laut Wolber 2.193 Tankstellen in Deutschland.

Änderungen mehrmals täglich

Am neuen Shell-Standort in Gütersloh hat sich nun ein "besonders intensiver Wettbewerb" mit einer in unmittelbarer Nachbarschaft liegenden Jet-Tankstelle entwickelt, wie Nikolai Lassen, Sprecher von ConocoPhillips (721 Tankstellen bundesweit), dem Betreiber der Jet-Tankstellen in Deutschland, dieser Zeitung sagt. Die Pächter der beiden Tankstellen beobachten ständig die Preispolitik der Konkurrenz und ändern das Tableau oft mehrmals am Tag in Absprache mit den Konzernzentralen.

Auch beim Bundeskartellamt hat der Wettbewerb in Gütersloh schon Spuren hinterlassen. Konkurrierende Anbieter hätten sich beschwert, dass dort Kraftstoff unter Einstandspreis verkauft werde. "Wir haben Beschwerden, die sich darauf beziehen", so ein Behördensprecher. Ermittlungen gebe es aber nicht.

Seit Mai 2008 untersucht die Aufsichtsbehörde den gesamten Kraftstoffmarkt in Deutschland. Es geht unter anderem um die oft geäußerten Vorwürfe, die Anbieter träfen Preisabsprachen. In einem Zwischenbericht fordert die Behörde mehr Wettbewerb in diesem Sektor und warnt vor einem weiteren Konzentrationsprozess. Diesen werde man durch "eine restriktive Zusammenschlusskontrolle" aufhalten, heißt es.

ADAC: "Die Autofahrer haben Marktmacht"

Die Preisbildung auf dem Benzinmarkt "ist gewinnorientiert", sagt Jürgen Albrecht Kraftstoffexperte des ADAC in München. "Man muss davon ausgehen, dass der Preis durch gegenseitige Marktbeobachtung entsteht." Seit Jahren stelle der ADAC einen "Trend zu mehr Preisänderungen" fest. Der Rat an Autofahrer sei, "dies konsequent zu nutzen". Denn: "Die Autofahrer haben Marktmacht."

Üblicherweise gebe es "zum Wochenende hin eine Preisbewegung nach oben". Langfristig habe sich in Tests des ADAC der Freitag als teuerster Tag, der Montag als günstigster Tag der Woche bei den Benzinpreisen erwiesen (siehe Grafik). Im Durchschnitt betrage die Preisdifferenz übers Jahr gerechnet gut drei Cent pro Liter zwischen Freitag und Montag.

"Es ist einfach so", bestätigt auch Sigrid Mook. Dass dahinter System steckt, bestreitet allerdings Cornelia Wolber: "Wir richten unsere Preise an den Zapfsäulen weder nach den Wochentagen noch nach dem Ferienkalender aus."

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2026
Inhalte von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.