Bad Oeynhausen (nw). Rund 50 Hinweise sind nach der Ausstrahlung der Fernsehsendung "Aktenzeichen XY ... ungelöst" eingegangen - einer hat zum Fahndungserfolg geführt. Die Polizei hat Freitag gegen 18.30 Uhr einen 27-jährigen Bad Oeynhausener festgenommen, der im Mai 2007 zwei Mädchen in mindestens drei Fällen sexuell missbraucht haben soll. Seine Taten hat er öffentlich dokumentiert: Mehr als 40 Aufnahmen wurden im Internet gefunden.
"Der Zeuge kennt den Tatverdächtigen und er hat die Dachgeschosswohnung, in der die Aufnahmen gemacht wurden, wiedererkannt", erläuterte der leitende Oberstaatsanwalt der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt, Günter Wittig, auf Anfrage der NW. Nach der Entdeckung der Bilder im Internet war der Täter zunächst unbekannt, daher haben Bundeskriminalamt (BKA) und die Zentralstelle für Internetkriminalität, eine Abteilung der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt, die Ermittlungen übernommen.
Bei der Festnahme in seiner Dachgeschosswohnung in Bad Oeynhausen leistet der Mann, so Wittig, "keinerlei Widerstand". Presseberichte, nach denen der mutmaßliche Täter als Erzieher und Diakon in einer kirchlichen Einrichtung arbeitet, wollte er weder bestätigen noch dementieren. Auch ob der Mann mit einer Frau befreundet ist, die selbst zwei kleine Kinder hat, ließ Wittig unkommentiert: "Die Weitergabe von Details würde die Ermittlungen behindern." Der Festgenommene habe, so Wittig, in seiner ersten polizeilichen Vernehmung eine Aussage gemacht. Ob es sich dabei um ein Geständnis handelt, ließ Wittig ebenfalls offen. Ungeklärt ist offenbar auch noch die Identität der Opfer. Fest steht nur, dass es sich um zwei, zur Tat etwa sieben bis neun Jahre alte Mädchen handeln soll.
Am Samstag wurde der mutmaßliche Täter dem Haftrichter vorgeführt; er erließ Haftbefehl. In welcher Justizvollzugsanstalt sich der Bad Oeynhausener nun befindet, ließ Wittig ebenfalls unbeantwortet. Fest steht nur, dass der Mann gestern Zeit hatte, sich mit sich und seinen Taten zu beschäftigen. Wittig: "Die polizeilichen Vernehmungen werden erst Montag fortgesetzt." Er selbst will Montag Kontakt mit der für Bad Oeynhausen zuständigen Staatsanwaltschaft Bielefeld aufnehmen und den "Fall zeitnah" abgeben.
Bereits im vergangenen Jahr hatte die Zusammenarbeit von Bundeskriminalamt, Generalstaatsanwaltschaft und der Fernsehsendung "Aktenzeichen XY ungelöst" zu einem ähnlichen Fahndungserfolg geführt. Mit Videoausschnitten, Fotos und Stimmproben war ein Mann gesucht worden, der mehrere Jungen missbraucht und Videos seiner Taten ins Internet gestellt hatte.
Dieser Fall ist abgeschlossen: Das Landgericht Trier hat ihn im April zu zehneinhalb Jahren Haft und anschließender Sicherheitsverwahrung verurteilt.