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NRW

Milliarden-Stau bei Brückensanierung

300 Bauwerke in NRW betroffen

Ein Bagger beginnt bei Dormagen das Bauwerk der Autobahn 57 einzureißen. - © FOTO: DPA
Ein Bagger beginnt bei Dormagen das Bauwerk der Autobahn 57 einzureißen. (© FOTO: DPA)
Milliarden-Stau bei Brückensanierung - © NRW
Milliarden-Stau bei Brückensanierung (© NRW)

Bielefeld. Die Sanierung von Straßenbrücken wird für die öffentliche Hand zu einem Fass ohne Boden. Das Land NRW schätzt den Investitionsbedarf für den Unterhalt von Brücken im Fernstraßennetz auf aktuell 4,2 Milliarden Euro. Eine "Aufgabe für mehrere Jahrzehnte", so eine Sprecherin des Düsseldorfer Verkehrsministeriums. Die Logistikbranche warnt vor einem Standortnachteil für diesen Wirtschaftszweig.

"Wir beklagen, dass man hier sehenden Auges vor die Wand fährt", sagt Volker Ackermeier, Geschäftsführer des Verbandes Verkehrswirtschaft und Logistik NRW dieser Zeitung. Die aktuell für Instandhaltung der Verkehrsinfrastruktur zur Verfügung stehenden Mittel bezeichnet Ackermeier als "Tropfen auf den heißen Stein".

Deshalb ist nach seiner Ansicht das "Chaos programmiert", wenn sich hier nichts ändern sollte. Ackermeier sieht in der Entwicklung ein zentrales Problem für die Logistikbranche im Land, die seinen Angaben zufolge mit rund 600.000 Beschäftigten einen Jahresumsatz von rund 50 Milliarden Euro erwirtschaftet.

78 Millionen Euro für Landesstraßen

Das Land NRW gibt für die Erhaltung der Landesstraßen rund 78 Millionen Euro pro Jahr aus, für die Bundesfernstraßen kommen noch einmal 200 bis 300 Millionen hinzu. Dieses Geld fließt allerdings nicht ausschließlich in den Erhalt der Brücken, sondern auch in die Fahrbahnerhaltung, so das Düsseldorfer Verkehrsministerium.

Bei gut 300 großen Brückenbauwerken sieht der Landesbetrieb Straßen NRW Bedarf für sogenannte Ertüchtigungsmaßnahmen. Diese haben laut einem Bericht aus dem Betrieb ein Gesamtvolumen von rund 3,5 Milliarden Euro. "Die Brücken sind größtenteils in den 60er und 70er Jahren errichtet worden", erläutert Ocke Hamann, Sprecher für Verkehr und Logistik der Industrie- und Handelskammern (IHK) in NRW, auf deren Tagung das Thema mit Nachdruck diskutiert wurde. Da diese überwiegend in Spannbetonbauweise errichteten Bauwerke laut Straßen NRW "einen großen Teil ihrer geplanten Nutzungszeit erfüllt" haben, erhöhe sich die Wahrscheinlichkeit, dass es zu Einschränkungen bei der Nutzung, insbesondere für den Schwerlastverkehr, komme.

Information
  • Im 53.000 Kilometer langen Bundesfernstraßennetz gibt es laut Bundesverkehrsministerium knapp 39.000 Brücken.
  • Für den Erhalt von Bundesfernstraßen stehen 2012 insgesamt 2,4 Milliarden Euro zur Verfügung.
  • 2011 lag dieser Betrag bei 2,1 Milliarden Euro. Davon wurden rund 670 Millionen Euro für die Brückensanierung verwendet. Dies war laut Bundesverkehrsministerium gut doppelt soviel wie im Durchschnitt der Jahre 1998 bis 2008.
  • Bis 2015 sollen die Erhaltungsaufgaben stufenweise auf 2,7 Milliarden Euro angehoben werden.

Geschwindigkeitsbegrenzungen drohen

Dies sei für ein Transitland wie NRW "eine unhaltbare Situation". Auch der ADAC hatte in einer Untersuchung 2009 bereits festgestellt, dass die Hälfte der Brücken in Deutschland zeitnah eine Sanierung benötige.
NRW sei in dieser Hinsicht "das am stärksten betroffene Bundesland", stellt Straßen NRW fest. Ein Test der Straßenbauer hatte ergeben, dass die Mehrzahl der älteren Brücken "nur noch begrenzte Zeit uneingeschränkt weiterbetrieben werden kann, wenn sie nicht verstärkt werden". Anderenfalls drohen Gewichts- und Geschwindigkeitsbegrenzungen.

Zwar betont die Sprecherin des NRW-Verkehrsministeriums, dass die Sicherheit des Verkehrs "nicht gefährdet" sei, da Brücken "systematisch und in dichten Abständen überprüft" würden. Doch sie zitiert die Forderung des Verkehrsministers Harry Voigtsberger (SPD): "Der Bund muss seine Mittel für NRW deutlich aufstocken, damit der Standard gewährleistet bleibt".

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