Bielefeld. Die Teilnehmerzahl an den Warnstreiks des öffentlichen Dienstes hat die Erwartungen der Organisatoren übertroffen. 8.000 Menschen sollen sich nach Angaben der Gewerkschaft Verdi an den Demozügen in Bielefeld beteiligt haben, die Polizei sprach gegenüber nw-news.de von etwa 6.000 Demonstranten. Die große Menschenmenge war bei der zentralen Kundgebung auf dem Rathausvorplatz am Niederwall dabei.
Viele trugen neongelbe Warnwesten und hatten Transparente dabei. Neben den Geräuschen der Trillerpfeifen und den Reden der Kundgebung war aus Lautsprechern Partymusik zu hören. Auch Mitarbeiter von Schlecker, deren Arbeitsplätze durch Filialschließungen in Gefahr sind, und 500 Beamte der Telekom zeigten sich solidarisch mit den Streikenden. Viele der Streikteilnehmer zeigten sich kämpferisch. Die meisten gehen von einem langen Arbeitskampf im öffentlichen Dienst aus.
"Wir sind in der Lage, das Land noch länger lahmzulegen - notfalls mit unbefristeten Streiks, wenn sich die Arbeitgeber nicht bewegen", sagte Ulrich Dettmann, stellvertretender Verdi-Landesleiter, bei der Kundgebung. "Wir lassen uns keine Angst machen." Die Gewerkschaften kritisierten darüber hinaus den "verantwortungslosen Schleckerkonzern" und die "deregulierungswütige Politik". Die Redner lobten ausdrücklich die Arbeit die Polizei, die die Straßen für die Demozüge absperrten.
Busfahrer halten aus Solidarität
Durch die Demonstrationszüge, die unter anderem über die Detmolder Straße gezogen sind, kam es zu Verkehrsbehinderungen. Der Niederwall war bis 14 Uhr wegen der Kundgebung gesperrt. Busse und Bahnen hielten zudem aus Solidarität an, wenn die Demozüge vorbeimarschierten. Alle Fahrer unterbrachen um 11 Uhr für eine Viertelstunde ihre Fahrt.Der öffentliche Dienst legt zum zweiten Mal in der Tarifauseinandersetzung die Arbeit nieder. Beteiligt sind unter anderem Kindertagesstätten, Krankenhäuser, Seniorenheime, Sparkassen, Stadtverwaltungen, der öffentliche Personennahverkehr, die Müllabfuhr und die Theater. Die Gewerkschaften fordern 6,5 Prozent mehr Lohn für die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes, mindestens aber 200 Euro mehr, sowie eine unbefristete Übernahme der Auszubildenden. Die Arbeitgeber bietet nur eine Lohnsteigerung von 3,3 Prozent in einem Zweistufenmodell an.
In Duisburg wurde bei den Verdi-Warnstreiks ein 46-jähriger Polizist verletzt. Ein Firmenchef fuhr durch eine Straßenabsperrung, um zu seinem 50 Meter entfernten Büro zu gelangen. Der Polizist fiel von seinem Motorrad auf die Motorhaube des Pkw und landete anschließend unsanft auf dem Boden. Er verletzte sich am Knie. Der Auitofahrer setzte seine Fahrt fort, ohne sich um den Beamten zu kümmern. Die Beamten beschlagnahmten den Führerschein des 61-Jährigen wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr.