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PADERBORN

Erzbischof baut auf die Jugend

300 junge Menschen feiern diözesanen Weltjugendtag in Paderborn

Paderborn. "Wir verstecken uns nicht, sondern gehen raus zu unseren Mitmenschen", sagte Erzbischof Hans-Josef Becker am Samstag in der Marktkirche. Anlass war die Eröffnung des diözesanen Weltjugendtages in der Domstadt. Beckers Worten sollten Taten folgen - und so zog der Erzbischof im Anschluss mit rund 300 Jugendlichen in einer Prozession durch die Innenstadt bis zum Hohen Dom.

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Eine Überraschung

Vikar Markus Wippermann war extra mit einer Firmgruppe aus Olpe nach Paderborn gereist, um "zusammen mit anderen jungen Menschen ein großes Fest des Glaubens zu feiern". Einer der Firmlinge ist der 16-jährige Jannik Hachenberg: "Ich bin heute das erste mal auf einem diözesanen Weltjugendtag und überrascht, wie viele junge Menschen sich hier versammelt haben. Die sehr persönlichen Worte des Bischofs haben mich besonders interessiert."(IK)

Eigentlich ist der nächste internationale Weltjugendtag noch weit weg - und zwar auf doppelte Weise: Zum einen beginnt er erst in gut 15 Monaten, zum anderen müssen die jungen Christen dann eine Reise bis nach Rio de Janeiro in Kauf nehmen. Und dennoch lebte die Begeisterung für das kirchliche Großereignis bereits am Wochenende in Paderborn auf.

Der Einladung von Erzbischof Becker "gemeinsam das Fest des Glaubens zu feiern" waren rund 300 Jugendliche gefolgt. "Es sind heute alle Teile des Erzbistums vertreten. Die jungen Menschen sind aus Siegen, dem Hochstift und anderen Teilen Ostwestfalens angereist", war Dirk Lankowski vom BDKJ-Diözesanverband Paderborn mit der Resonanz am Samstag sehr zufrieden. Getreu des Mottos "Freut euch im Herrn zu jeder Zeit" stand an diesem Tag vor allem der Begriff Freude im Mittelpunkt.

Erzbischof Becker: "Viele junge Menschen verbinden mit Freude wahrscheinlich zunächst einmal Partys, ein neues Handy oder neue Kleidung. Wenn man jedoch tiefgründiger nachfragt, dann nennen viele Jugendliche Aspekte wie Geborgenheit, Treue und Ehrlichkeit."

Auch für den Erzbischof sind dies bedeutsame Begriffe: "Es ist mir wichtig, dass mir Menschen ihr Vertrauen schenken und dass auch ich anderen Menschen vertrauen kann. Das ist heute nicht mehr absolut selbstverständlich", meinte Hans-Josef Becker und ergänzte: "Begegnungen mit Menschen, bei denen ich mich anlehnen kann und die mir Kraft schenken, haben für mich große Bedeutung."

Becker stellte sich auch den Fragen der anwesenden Jugendlichen, die sich zuvor in kleinen Gruppen zusammengesetzt hatten. Auf die Frage "Wie kann man die kirchlichen Strukturen so verändern, dass sie das Interesse bei mehr Leuten wecken", stellte Becker die Gegenfrage: "Wer und was ist überhaupt die Kirche?"

Erzbischof Hans-Josef Becker stellte sich in der Marktkirche den Fragen der jungen Gläubigen. - © FOTO: INGO KALISCHEK
Erzbischof Hans-Josef Becker stellte sich in der Marktkirche den Fragen der jungen Gläubigen. (© FOTO: INGO KALISCHEK)

Für den Erzbischof ist klar, dass die Kirche schon immer einem ständigen Wandel unterliege. "Wichtiger als strukturelle Veränderungen sind jedoch Glaube und Hoffnung eines jeden Einzelnen", so Becker.

Auf weit verbreitete Aussagen vieler Jugendlicher, dass die Kirche heut zu Tage die Rolle eines Spaßverderbers und Langweilers einnehme, entgegnete der Erzbischof mit einer Geschichte aus seiner Jugend: "Während meines Abiturs wollte ich keineswegs Priester oder Bischof werden. Ich war jedoch immer offen für den Glauben - in jeder Lebenslage. Dies hat mir meinen späteren Weg bereitet."

Auch den Anwesenden in der Marktkirche gab Becker diesen Rat: "Sucht die Nähe Gottes bei Gleichgesinnten, feiert zusammen Gottesdienste und blickt zum Beispiel bei internationalen Weltjugendtagen über den Tellerrand hinaus, um euch als Teil der weltumspannenden Kirche zu erfahren." Dann werde man laut Becker merken, dass der christliche Glaube dauerhaft Freude und Glück bringe "und keinesfalls so langweilig ist, wie es manchmal der Anschein hat". "Ich baue auf Euch, liebe Jugendlichen", sagte Becker zum Abschluss.

Mit einem riesigen roten Tuch in der Mitte und Palmzweigen in der Hand zogen die 300 jungen Christen anschließend lautstark bis zum Dom, wo gemeinsam Eucharistie gefeiert wurde. Während der Prozession brachte das "Samba-Einsatz-Kommando" dann in Form von Trommeln und Rasseln das südamerikanische Feeling und den Weltjugendtag im nächsten Jahr noch ein Stückchen näher.

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