Waren/Bad Oeynhausen. Ein Ehepaar und seine siebenjährige Tochter aus Bad Oeynhausen sind nur um Haaresbreite einer Katastrophe entkommen. Die Familie hatte in Waren (Müritz) ein Motorboot gechartert, das Karfreitag bei einer Explosion im Hafen der brandenburgischen Stadt völlig zerstört wurde. Erst wenige Minuten vorher hatten die drei das Boot verlassen. Eine 17-Jährige aus Hiddenhausen wurde bei der Explosion verletzt.
Es ist 17.45 Uhr im hübschen Hafenstädtchen Waren inmitten der Mecklenburgischen Seenplatte, einem Eldorado für Skipper aus ganz Deutschland. Plötzlich zerstört eine laute Detonation die Idylle. "Die Erde hat ein bisschen gewackelt. Mir war schnell klar, dass das eine Explosion war", beschreibt der Warener Stephan Radtke die Ereignisse im Hafen, der sehr nah am Ortszentrum liegt. Der Webdesigner und freie Journalist beim Nordkurier, Neubrandenburg, war einer der ersten, die nach dem Unglück vor Ort waren.
Zeitweise seien bis zu acht Meter hohe Flammen aus der Motorjacht geschlagen, so Radtke. Kurz nach der großen Detonation habe er noch eine zweite gehört, die von einer Gasflasche an Bord des Bootes herrührte. Viele Schaulustige hätten sich eingefunden. "Sehr negativ" beeinflusste die große Zahl der Schaulustigen die Arbeit der Feuerwehr, wie Reimund Kamrath, stellvertretender Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Waren, auf Anfrage berichtet. Man habe sich zunächst zum Ort des Geschehens "durchkämpfen" müssen.
"Großer Menschenauflauf"
Um 17.40 Uhr, berichten Zeugen, sei die Familie von Bord der wenig später explodierten Jacht gegangen. Fünf Minuten, die ihr Leben retteten. Was die Zeugen nicht wussten: Das Ehepaar und seine siebenjährige Tochter, die das Boot gechartert hatten, stammen aus Bad Oeynhausen. Dies bestätigt auf Anfrage Wolfgang Starke vom Ermittlungsdienst der Wasserschutzpolizei Waren, der aus einem dienstfreien Tag zum Unglücksort gerufen wurde. Auch Starke berichtet von einem "großen Menschenauflauf" am Ort der brennenden Jacht. Er habe zwar "schon einige Bootsbrände" aufgenommen, eine Explosion dieser Größenordnung jedoch noch nicht.Für die Familie, die das Boot gechartert hatte, sei dies sicherlich ein einschneidendes Erlebnis gewesen, sagt Starke. "Ein Schockerlebnis ist das auf alle Fälle." Reimund Kamrath sagt: "Diese Bilder werden sie so schnell nicht vergessen." Die Familie sei in den ersten Augenblicken nach der Katastrophe "sehr durcheinander" gewesen. Starke sagt deshalb auch: "Ich glaube, dass sie die Feiertage nicht wirklich glücklich verbracht haben."
Staatsanwaltschaft eingeschaltet
Die Staatsanwaltschaft Neubrandenburg hat einen Brandursachenermittler mit der Untersuchung der Explosion der Jacht im Hafen von Waren beauftragt. Oberstaatsanwalt Gerd Zeisler sagte auf Anfrage: "Wir ermitteln nicht gegen konkrete Personen." Zu klären sei laut Zeisler, ob es Ansätze für weitere strafrechtliche Ermittlungen in der Sache gebe. "Wir haben schon Zeugen vernommen", sagt Zeisler. Bislang gebe es keine Anhaltspunkte für einen Fall von Brandstiftung. Man warte nun den Expertenbericht ab.Die Familie aus Bad Oeynhausen war zum Zeitpunkt des Unglücks zum Hafenmeister Jens Ahlrep gegangen, um sich dort anzumelden. "Glück im Unglück" habe die Familie gehabt, sagt Ahlrep im Gespräch mit dieser Zeitung. Er spricht sogar von "einem zweiten Geburtstag" für die Bad Oeynhausener. Die Familie sei gleich nach dem Unglück wieder aus Waren abgereist. Die Frau habe erst vor kurzem ihren Bootsführerschein gemacht, berichtet Ahlrep weiter.
Mindestens 500.000 Euro Sachschaden
Glück hätten aber auch alle Menschen und Bootseigner im gesamten Ort Waren gehabt, so der Hafenmeister. Denn der Hafen mit seinen 180 Liegeplätzen sei zum Zeitpunkt des Unglücks längst nicht voll besetzt gewesen. Stephan Radtke spricht von etwa 20 Booten, die zu diesem Zeitpunkt dort festgemacht hatten.Angesichts der Heftigkeit der Detonation grenzt es an ein kleines Wunder, dass lediglich eine 17-jährige Frau aus Hiddenhausen auf einem Nachbarboot der explodierten Jacht durch die Druckwelle leicht verletzt wurde. Sie wurde gegen einen Tisch geschleudert. Der bei dem Brand entstandene Sachschaden wird von den Ermittlern auf mindestens 500.000 Euro geschätzt.
Sofort begannen die Ermittlungen nach der Unglücksursache auf dem Hybridboot, das sowohl mit einem Diesel- als auch einem Elektroantrieb ausgestattet ist, so Ahlrep. Am Samstag wurde das am Hafenkai gesunkene Boot geborgen und von den Ermittlungsbehörden sichergestellt.