Bielefeld. Deutschlands Lehrer klagen ihre Schüler an: Fehlende Disziplin, Respektlosigkeit und Missachtung von Regeln machen das Unterrichten immer schwieriger. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Allensbach-Studie zum Prestige des Lehrerberufes.
Besonders häufig klagen Haupt- und Realschullehrer (55 Prozent) über allgemeine Erziehungsdefizite, deutlich seltener hingegen Gymnasiallehrer (34 Prozent). Doch selbst jede zweite Grundschullehrerin berichtet von Disziplinschwierigkeiten.
Nicht nur der Umgang mit den Schülern ist nach der von der Vodafone-Stiftung in Auftrag gegebenen Umfrage schwieriger geworden. Auch das Verhalten der Eltern gegenüber den Pädagogen habe sich in den zurückliegenden Jahren verschlechtert, beklagten 39 Prozent der Lehrer.
Aus Sicht der Eltern liegen die Ursachen für mangelnde Disziplin aber oft bei den Lehrern. 53 Prozent der Eltern sind überzeugt, dass die Lehrer zu lasch mit Schülern umgehen, die undiszipliniert sind oder den Unterricht stören. Dagegen ist die Mehrheit der Pädagogen überzeugt, dass man als Lehrer im Zweifel machtlos ist. 56 Prozent gaben an, es gebe Klassen, die man trotz aller Bemühungen nicht in den Griff bekommt; nur ein Viertel ist der Meinung, dass dies lediglich eine Frage der richtigen Methoden sei.
Zufriedenheit am Arbeitsplatz hoch
Lehrer mit sehr langer Berufserfahrung schätzen ihren Beruf deutlich weniger attraktiv ein als jüngere und unerfahrene Kollegen. Dennoch ist die Zufriedenheit mit dem Arbeitsplatz hoch. Mehr als ein Drittel der Pädagogen plädiert für eine Besoldungsreform, die berücksichtigt, ob ein Kollege in einer Schule in einem "sozialen Brennpunkt" unterrichtet.Trotz aller Schwierigkeiten gaben fast drei Viertel (71 Prozent) aller Lehrkräfte an Grund- und weiterführenden Schulen an, ihre Arbeit bereite ihnen Freude; gut jeder Zweite (52 Prozent) hält seinen Beruf für attraktiv. Mit 97 Prozent sind Lehrer nahezu ausnahmslos davon überzeugt, dass der soziale Hintergrund des Elternhauses die Leistung von Schülern beeinflusst.
60 Prozent der Pädagogen seien ferner der Ansicht, dass die Leistungsunterschiede von Schülern aus verschiedenen sozialen Schichten zugenommen hätten. Dennoch betonten sie mit einer deutlichen Mehrheit von 73 Prozent, dass die Herkunft ihrer Schüler keine Rolle bei der Notenvergabe spielt. Allerdings wird diese Meinung nur von etwa jedem Zweiten (55 Prozent) in der Gesamtbevölkerung geteilt. 28 Prozent sind sogar der Meinung, dass Kinder aus sozial schwächeren Schichten bei der Benotung benachteiligt würden.