Lippische Landes-Zeitung: Nachrichten aus Lippe, OWL und der Welt

PADERBORN

Die EM lässt grüßen: Fußball-Sammelbilder wieder im Handel

Alte Schätze im Kleinformat

Eike Stiller hatte als Kind nie ein Album voll bekommen. Dieses "vorkindliche Sammeltrauma" hat der Sporthistoriker nun überwunden. Seine Alben sind vollständig.FOTOS: REINHARD ROHLF - © FOTO: REINHARD ROHLF
Eike Stiller hatte als Kind nie ein Album voll bekommen. Dieses "vorkindliche Sammeltrauma" hat der Sporthistoriker nun überwunden. Seine Alben sind vollständig.FOTOS: REINHARD ROHLF (© FOTO: REINHARD ROHLF)

Paderborn. Es geht wieder los: Seit Samstag wird gekauft, getauscht und geklebt. Denn die neuen Panini-Bilder zur Fußball-Europameisterschaft erwecken das Sammelfieber bei vielen Fans. Wie auch schon vor vielen, vielen Jahren - das wissen zwei Paderborner ganz genau. Sie zeigen ihre Schätze. Und die können sich wirklich sehen lassen.

Eike Stiller steht in seinem kleinen Privatarchiv und muss nicht lange überlegen. Mit einem Griff zieht er das älteste Sammelheft seines Bestandes aus dem Regal. "Es ist ein Sport Album aus dem Jahr 1924", weiß Stiller sofort. Der promovierte Sporthistoriker kennt seine Alben genau. "Damals waren sie noch nicht von Panini, sondern von Monopol, Kosmos, Greiling oder Bergmann", erklärt Stiller. "Die Bilder waren erst schwarz/weiß, dann schwarz/weiß nachträglich per Hand coloriert und später in Farbe", sagt er während er sich ein beige-farbenes Album greift und anfängt, zu blättern. "Das ist das erste Fußball Album", sagt Stiller. "Es ist aus dem Jahr 1930 und heißt Deutsche Liga." Denn Aufklebe-Sammelbilder gab es seither nicht nur von Deutschlands beliebtester Ballsportart.

Anfangs, zu Beginn der 20er Jahre, zeigten die fünf mal vier Zentimeter großen Bilder vor allem Turner. "War Deutschland früher doch eine Turnernation", erklärt Stiller. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Fußball langsam zu Deutschlands liebstem Sport und auch in den Sammelbildern bedacht. Diese gab es einzeln in einer Zigarettenschachtel versteckt. "Da musste Papa viel Rauchen, damit der Sohn sein Album mit 800 Bildern voll bekommt", sagt Stiller schmunzelnd.

Da hatte vielleicht auch der Großvater von Dr. Richard Böger so manche Zigarettenschachtel in der Hand gehabt. Zusammen mit seinem Sohn - Bögers Vater - hat er nämlich drei Olympische Alben aus den Jahren 1932 und 1936 gefüllt. "Sie sind vollständig", sagt Böger stolz, der die Alben schon als kleiner Junge mit großen Augen betrachtete und sie nun mit noch größeren Augen auf Mutters Dachboden fand. "Klar, hab ich die mitgenommen", sagt er. "Ich behüte meinen kleinen Familienschatz." Ähnlich sentimental und an alte Erinnerungen geknüpft, kam auch Stiller zu seiner Sammelleidenschaft, als der hauptberufliche Schulleiter der Gemeinschaftsschule Kalletal die Ausstellung "100 Jahre Fußball" im Gasometer Oberhausen sah. "Dort entdeckte ich die Stars und Alben aus meiner Kindheit", erinnert er sich. Ein gelbes Buch aus dem Jahr 1966/67 füllte er als Junge selbst. "Die Schule war ein guter Raum, um Bilder zu tauschen", sagt er. "Wir haben unsere feinmotorischen Fähigkeiten gut trainiert", fügt Stiller hinzu und lacht. Denn er und seine Freunde haben um die Bilder "geschnippelt", wie er erklärt. Sie wurden an die Wand geschnipst. Welches am nächsten an ihr dran liegen blieb, gewann. Und der Besitzer der Karte kassierte alle anderen ein.

"Ich bekam trotzdem nie ein Album voll", sagt Stiller. "Dieses Trauma habe ich heute dank ebay und Flohmärkten bekämpft", sagt er und blickt schmunzelnd in sein Bücherregal.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2026
Inhalte von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.