Bielefeld. Ein wahnsinniger Bankräuber hat eine Frau als Geisel genommen und bedroht hunderte Passanten mit einer brennenden Gasflamme. Eine ausweglose Situation – zum Glück nur für den Bankräuber. Das SEK hat alles im Griff.
Die Vorführung des Bielefelder Spezialeinsatzkommandos (SEK) beim Tag der offenen Tür im Polizeipräsidium Bielefeld hat Eindruck hinterlassen. Hunderte Zuschauer staunten genauso über die enorm lauten Knalleffekte wie die Schnelligkeit und Präzision der vermummten Eingriff-Spezialisten, die sich erst aus dem dritten Stock abseilten, um nach wenigen Sekunden sowohl mit der befreiten Geisel als auch dem gefesselten Räuber in einer großen Rauchwolke zu verschwinden.
Doch das SEK ist längst nicht alles, was die Polizei zu bieten hatte. Entsprechend voll war das Gelände laut Organisator Udo Golabeck von der ersten Minute an. "Es werden an die 10.000 Besucher gewesen sein", schätzt er. Vor allem Familien mit Kindern waren stark vertreten, und die Kleinen fragten den Beamten riesige Löcher in den Bauch.
Tino Burgdorf (5) aus Jöllenbeck blieb mit seinen Eltern beinahe den ganzen Tag bei der Polizei: Gleich zu Beginn staunten sie über die mächtigen Polizeipferde, die trotz heftiger Pyroschwaden auf der Aktionsfläche ganz ruhig blieben. Den Bankräuber hätte er auch so umgerannt wie die Actionhelden vom SEK, sagt er mutig, doch beim Besuch einer der 17 Zellen zeigt er Respekt: "Ganz schön leer hier", sagt Tino auf der schmalen Pritsche, neben ihm ist nur noch ein Klo und die zum Glück geöffnete Stahltür.
Michelle Dittrich (9) aus Schildesche hat sich gleich ein Paar Handschellen gekauft: "Die sind für meine Freundin Melanie", sagt sie und lacht. Doch Vorsicht: Die Freundin hat auch welche. Der zehnjährige Johannes Dorow aus Senne will vielleicht mal Polizist werden. "SEKwäre toll", sagt er, als er gerade die schwere Demo-Schutzausrüstung der Einsatzhundertschaft anprobiert. "Schwerer als ich dachte", sagt er. Aber sehr cool: Dag Westerholt von der Bereitschaftspolizei schlägt mit einem Baseballschläger gegen seine Brust. Ein großer metallischer Knall ist zu hören (wegen der Metallplatten), aber gespürt hat Johannes nichts.
Udo Golabeck zeigte sich sehr zufrieden. "Schade nur, dass die Landesturnriege ihre Show wegen des nassen Bodens absagen musste." Trotzdem seien aber alle Beamten positiv gestimmt gewesen: "So nah kommen wir selten an unsere Zielgruppe", so Golabeck. "Gerade den Familien und Kindern wollten wir heute zeigen, dass wir nicht gefährlich sind, sondern ganz freundlich und hilfreich."