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GÜTERSLOH

3.000 Gütersloher frühstücken für einen guten Zweck

Aktion BürgerBrunch der Bürger-Stiftung

Gütersloh. Beim ersten BürgerBrunch war Kriemhild Weiland nur Zaungast. "Damals habe ich mir gedacht, da musst du doch dabei sein." Deshalb hat sich mit ihren Mitschwestern vom Bridge-Club Gütersloh bei der zweiten Auflage einen Tisch bei der Bürgerstiftung für 48 Euro gekauft. Nun sitzen die sieben Damen (und ein Herr) an der Berliner Straße im Windschatten des Karstadtgebäudes mit ins Haar gesteckten Spielkarten, nippen an ihren Sektgläsern und genießen frische Erdbeeren: "Wenn schon, denn schon", sagt Clubpräsidentin Anette Wolters.

Das denken sich auch viele andere Gütersloher an diesem zunächst noch ziemlich windigen, doch zunehmend sonniger und wärmer werdenden Sonntag und füllen ihre Picknickkörbe mit Köstlichkeiten, die sie auf die mit grünen Plastikdecken bezogene Biergarten-Tischen ausbreiten. Acht Personen fasst ein Tisch. Manchmal drängeln sich auch ein paar mehr Menschen darum. 310 Tische hat die Bürgerstiftung Gütersloh verkauft. Macht also – großzügig gerechnet – rund 3.000 frühstückende Gütersloher auf der Berliner Straße und dem Berliner Platz.

Ganz zufrieden sind Brigitte Büscher und Nina Spallek mit dieser Zahl nicht. "Wir hatten uns diesmal 500 Tische vorgenommen", sagt Brigitte Büscher ehrlich und rätselt, ob es an Konkurrenzveranstaltungen, am Wetter oder an König Fußball gelegen hat, dass die Menge der verkauften Tische sogar hinter die der Erstauflage von vor zwei Jahren zurückfällt.

Ihre Zufriedenheit über den reibungslosen Ablauf lassen sich die beiden Damen dennoch nicht nehmen. Seit 7 Uhr sind Büscher und Spallek mit 20 anderen Ehrenamtlichen damit beschäftigt gewesen, die von den knapp 30 Helfern vom THW aufgestellten Tische vorzubereiten und bis elf Uhr mit Nummern zu versehen.

Manche Besucher lieben es nüchtern mit Brettchen und Plastikgeschirr, manche legen aber auch Wert auf einen schön gedeckten Tisch: Wie Erika Dodt, die ihr 50 Jahre altes Service auf den Tischen vor ihrem Juweliergeschäft aufgelegt hat. "Ich finde, dass ein Tag schön und ästhetisch beginnen soll", sagt sie, während ihr Gatte Martin Dodt Schinken vom selbst geschossenen Wildschwein reicht.

Wer satt ist, hat den Mund frei zum Plaudern. "Das ist so wunderbar hier heute Morgen", sagt Dr. Martina Schwartz-Gehring, "dass man hier Leute trifft, mit denen man nicht gerechnet hat." Wer lieber schweigend genießen will, für den hat die Bürger-Stiftung ein Unterhaltungsprogramm auf die Beine gestellt. Tanzschulen zeigen Kostproben ihres Könnens, das Jugendmusikkorps Avenwedde und Schülerbands machen Musik und die Läufer vom Parkour Gütersloh machen das, was ansonsten streng verboten ist: Über Tische und Bänke zu laufen.

An ihren Einheits-Outfits sind viele Vereine und Firmen zu erkennen. So hat Christiane Heitmann die Belegschaft ihrer Firma Balloni eingeladen. Strohhüte und kleine Kakteen aus Luftballons lassen das Thema erkennen: Mexiko. "Die Papageien und großen Kakteen haben wir gar nicht erst ausgepackt, die fliegen uns nur weg", sagt die Chefin und lacht."

Viele bekennen Flagge: Die FC-Gütersloh-Fans für ihren Verein und eine Gruppe Avenwedder für ihr "Totes Viertel". Berührungsängste gibt es nicht. Mit den "Bayern im Kreis Gütersloh", einer Gruppe Verler, die nebenan sitzt, läuft die Kommunikation reibungslos.

Um 15 Uhr soll Schluss sein. Doch danach sieht es auf dem Berliner Platz auch noch eine Stunde später nicht aus. Auch Liz Mohn gefällt es sichtlich gut am gedeckten Tisch neben Jimmy Schmied von der Stadt Stiftung. "Das ist ein großes Familienfest", sagt sie und ist vor allem begeistert darüber, "dass so viele Kinder hier sind".

Grundschüler sind denn auch Profiteure von einem Teil des geschätzten Erlöses von 15.000 Euro. Sie sollen beim Projekt "Gütersloher gesunde Genießer" Geschmack am nahrhaften Essen finden.

Der andere Teil geht an Gütersloher Sportvereine, die sich so leichter das Leasing von sponsorenfinanzierten Großfahrzeugen leisten können, um auswärtige Spiel- oder Trainingsorte zu erreichen.

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