Bad Wünnenberg. Unternehmen sind bisweilen äußerst kreativ, wenn es darum geht, Geld zu verdienen. Wer etwa einen Patienten der Aatalklinik in Bad Wünnenberg erreichen möchte, der zahlt - und wird vorher nicht darauf hingewiesen, obwohl das eigentlich vorgeschrieben ist.
Im konkreten Fall geht es um eine 79-jährige Frau aus Paderborn, die derzeit wegen eines Schlaganfalls für drei Wochen in der Neurologischen und Neurochirurgischen Rehaklinik therapiert wird. Ihr Sohn wollte nur kurz per Telefon nachfragen, ob sie Besuch empfangen könne oder eine Anwendung habe.
Er wählte die allgemeine Nummer der Rezeption und wollte sich mit seiner Mutter verbinden lassen. Dort teilte man ihm allerdings mit, dass dies nicht möglich sei und er stattdessen über eine kostenpflichtige 01805-Nummer mit entsprechender Nummern-Endung direkt mit seiner Mutter sprechen könne.
Dass ein Patient im Krankenhaus eine Telefon mietet und für seine Anrufe bezahlt, ist gängige Praxis. Auch in der Aatalklinik ist das nicht anders. Es ist in der hiesigen Kliniklandschaft aber kein übliches Geschäftsverhalten, Geld dafür bezahlen zu müssen, einen Patienten telefonisch zu erreichen.
Der Anruf kostet bei einer 01805-Nummer 14 Cent pro Minute - dies erfährt der Anrufer übrigens nur, wenn er vorab die Rezeption angerufen hat. Dabei ist der Hinweis auf die Kosten, welche durch die Nutzung der Hotline entstehen, seit März 2010 durch das deutsche Telekommunikationsgesetz vorgeschrieben. Er müsste als Bandansage vor der Verbindungsherstellung ebenso genannt werden wie der bis zu 42 Cent pro Minute teure Anruf aus dem Mobilfunknetz, sonst droht ein Bußgeld.
Trotz mehrfacher Nachfrage durch die Neue Westfälische konnten weder die Verwaltung der Aatalklinik noch Geschäftsführer Winfried Menne, gleichzeitig Bürgermeister der Stadt Bad Wünnenberg, einen konkreten Grund für die Hotline nennen. "Das ist wohl irgendwann mal so eingeführt worden", lautet Mennes lapidare Antwort.
Beschwerden darüber seien bei ihm bislang nicht aufgelaufen. Möglicherweise sind sie nicht bis zu ihm vorgedrungen, oder sie wurden überhört. Denn Beschwerden gibt es nach Aussagen von Verwaltungsmitarbeitern der Rehaklinik einige.
Die Aatalklinik hat - laut eigener Angabe - ein Einzugsgebiet von rund 300 Kilometern. Natürlich rufen gerade die Verwandten der Patienten, die weiter weg wohnen, regelmäßig an und natürlich können diese Telefongespräche länger dauern. Das geht ins Geld.
Auch auf die Nachfrage, was mit diesem Geld passiert, gibt es von Seiten der Klinik keine konkrete Antwort. "Vielleicht wird damit die Telefonanlage überhaupt erst finanziert", mutmaßt Menne.
Fragen zum Unternehmen Aatalklinik - eine Einrichtung der Eifelhöhen-Klinik Aktiengesellschaft - oder Informationsmaterial können übrigens über eine gebührenfreie Telefonnummer bestellt werden.