Bielefeld. Bombensuche an der Heeper Hauptschule: An zwei Stellen auf dem Schulgelände an der Beckerstraße vermuten Experten des Kampfmittelräumdienstes Westfalen-Lippe Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg. Die rund 350 Schüler dürfen die Schule zu ihrem Schutz ab sofort nicht mehr betreten – sie werden in umliegende Gebäude umquartiert.
Ab Montag gehen die Kampfmittelexperten dann auf die Suche: Ein möglicher Blindgänger liegt im Bereich des Schulhofs, ein weiterer wird unter dem Gebäude vermutet. Der Verdacht, dass sich im Erdreich an der Schule Kriegs-Altlasten befinden, kam auf, als die Stadt einen Antrag auf Änderung des Bebauungsplans Heepen West gestellt hatte.
Üblicherweise kommt in diesen Fällen der Kampfmittelräumdienst ins Spiel: Anhand alter Luftbilder, die die Alliierten zur Dokumentation aufgenommen hatten, ermitteln Experten Standorte, an denen möglicherweise nicht detonierte Sprengkörper ins Erdreich eingedrungen sind. Die Kampfmittelexperten können inzwischen auf rund 340.000 Bilder zugreifen. Die sogenannte Luftbildauswertung gibt es seit Anfang der 70er Jahre. Sie kam wenige Jahre nach Fertigstellung des Schulgebäudes vor 45 Jahren auf.
"Die problematischen Stellen sind daran zu erkennen, dass sich rund um die Einschlagstelle kein typischer Bombenkrater gebildet hat, wie er entsteht, wenn eine Bombe explodiert", sagt Reinhold Schmitz vom Kampfmittelräumdienst Westfalen-Lippe. Die Einschlagsdichte im Bereich rund um die Straße "Am Strebkamp" ist über einen Radius von etlichen Kilometern extrem hoch, sagt Schmitz, dort habe sich eine Munitionsfabrik befunden, ein wichtiges Ziel der Alliierten also.
Die beiden neuralgischen Punkte auf dem Schulgelände und in dem Gebäude sind markiert – ab Montag wird gebohrt. Auf dem Schulhof kein Problem, im Gebäude schon. "Da ist dann vorsichtige Handarbeit angesagt", sagt Schmitz.
37 Bohrlöcher pro Verdachtsstelle wird der Räumdienst ins Erdreich fräsen und Kunststoffrohre hineinschieben, durch die die Messgeräte ins Erdreich gebracht werden. Sie ermitteln den Metallanteil im Boden.
Sollten sie fündig werden, müssen die Blindgänger entschärft – und die umliegenden Gebäude weiträumig evakuiert werden. Die "Trefferquote" liege liege in Bielefeld bei 25 bis 30 Prozent, sagt Schmitz.
Für die Hauptschule bedeuten die möglichen Blindgänger eine logistische Herausforderung. Heute haben die rund 350 Schülerinnen und Schüler und 35 Lehrer zunächst zwangsfrei. "Wenn alles klappt, können wir sie dann ab Mittwoch zum Teil in dem leerstehenden Gebäude der Volkeningschule unterbringen", sagt Georg Müller, Leiter des Amtes für Schule in Bielefeld. Mit der Hauptschule Oldentrup, die auch Kapazitäten frei habe, werde noch verhandelt.
Von einer Sammelstelle am Heeper Gymnasium aus werden die Kinder per Bus in die Ausweichquartiere gebracht. "Das ist ganz praktisch, weil das Gros der Schüler ohnehin mit dem Bus zur Schule fährt", sagt Schulleiterin Gabriele Meier-Ebert.
Die besondere Herausforderung: "Die Utensilien für den Ganztagsunterricht müssen transportiert werden, auch in Sachen Mittagessen müssen wir uns noch eine Lösung überlegen." Die Mensa ist schließlich schwerlich mal eben umzuquartieren.