Lippische Landes-Zeitung: Nachrichten aus Lippe, OWL und der Welt

BIELEFELD

Kreishandwerkerschaft verhüllt die Bielelder Sparrenburg

Verhüllt, aber anziehend - Gäste sind fasziniert

Nur mal angenommen, die Raumausstatter-Innung hätte sich auf die Farben des DSC Arminia kapriziert - es wäre ein Debakel geworden. Endlich wäre es geschafft, der Turm eingehüllt in Schwarz-Weiß-Blau ... und dann kassiert genau an diesem Wochenende der DSC in Münster ein Debakel. Nein, dann besser Rot.
Nur mal angenommen, die Raumausstatter-Innung hätte sich auf die Farben des DSC Arminia kapriziert - es wäre ein Debakel geworden. Endlich wäre es geschafft, der Turm eingehüllt in Schwarz-Weiß-Blau ... und dann kassiert genau an diesem Wochenende der DSC in Münster ein Debakel. Nein, dann besser Rot.

Bielefeld. Die Sparrenburg ist Thema. Mal anders. Nicht als Grabungsstätte, Ort einer Hochzeit oder typisches Sonntagsausflugsziel. Ein zarter Hauch von Reichstagsverhüllung umweht sie, das sehen zumindest einige Burgbesteiger so. Andere freuen sich am poppigen Rot, wieder andere hatten von der Verhüllungsaktion der Kreishandwerkerschaft nichts gehört und stehen nun überrascht vor dem Turm, der so ganz unmittelalterlich daherkommt.

Eine Reise durch die Eindrücke der Besucher: Frank Grothof (51) steht für viele, er knipst die rote Burg, "fürs iPhone als Hintergrundbild". Wohl selten wird der Turm der Sparrenburg so oft fotografiert wie am Wochenende: Am Samstagnachmittag im Starkregen, dann in der Sonne, abends beleuchtet, am Sonntagmorgen im leichten Grau - das Wetter hilft mit, jede Lichtstimmung wird geboten. "Eine sehr gute Idee", findet Grothof, "sollte man öfters machen." Auch, weil er von der Lemgoer Straße aus die Burg bestaunen kann. "Neckisch", sagt Dietmar Masannek (71). Weil die Handwerker die Burg verhüllt haben, hat das für ihn "Hand und Fuß". Im Vordergrund sollten bei der Burg sonst aber Gemäuer und Grabungen stehen.

Burg-Wirt Robert Niegisch serviert Burg-Burger - und hat seine ganz spezielle Ansicht: "Im Arminia-Trikot will ich den Turm nicht unbedingt sehen, aber das Rot passt doch perfekt zum Emblem des FC Bayern." Wie auch immer, für viele Bielefelder sei die Aktion willkommener Anlass, mal wieder die Burg zu besuchen.

Bei Lucas Jelonek (28) ist das so - mit Frau und Kind ist er da, sieht das Ganze aber eher leidenschaftslos. "Da könnte ja auch ein Gerüst stehen - und so gesehen ist das hier doch nicht so störend." Das ist ostwestfälisch und meint: kann man machen.

Oft begeistert sind die Kleinsten: Mesut (3) ernennt Rot spontan zu seiner neuen Lieblingsfarbe, Lars (7) muss den Turm besteigen, vor allem, um zu erleben, wie dunkel und rötlich es jetzt innen aussieht. "Toll", sagt er, obwohl er sonst auf Grün steht. "Das ist die Farbe meines Handballvereins TSV Oerlinghausen." Aber eine grüne Burg? "Nee, das geht gar nicht." Für ihn stellt sich besonders die K-Frage: Klamauk oder Kunst? "Ich glaube, es ist wohl Kunst." Verwundert sind Peter Tiessen (25) und Teresa Eisoldt (26): Sie wollen Sandra Drescher aus Chemnitz die Burg zeigen, nun sehen sie Rot. "Wir haben das nicht mitbekommen, das erinnert ja an den verhüllten Reichstag."

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2026
Inhalte von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.