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GÜTERSLOH

Gefährliches Gasleck lässt Mieter in Gütersloh frieren

Explosionsgefahr schockiert Anwohner, die seit einer Woche ohne heißes Wasser und Heizung leben müssen

Jörg Fleiter von der Bielefelder Firma Rohrnetz-Technik Schaumburg zeigt das Metallrohr mit dem Gasleck, das unterirdisch zum Keller des Hauses Nummer 75 führte. Aus den Löchern konnte Gas entweichen. - © FOTOS: RAIMUND VORNBÄUMEN
Jörg Fleiter von der Bielefelder Firma Rohrnetz-Technik Schaumburg zeigt das Metallrohr mit dem Gasleck, das unterirdisch zum Keller des Hauses Nummer 75 führte. Aus den Löchern konnte Gas entweichen. (© FOTOS: RAIMUND VORNBÄUMEN)

Gütersloh. Jahko Dal zittert immer noch, wenn er an das Gasleck an der Görlitzer Straße in Blankenhagen denkt. "Ein Funken hätte gereicht und es hätte eine riesige Explosion gegeben" , sagt der Anwohner. "Zum Glück hat das jemand gerochen." Das sei bereits vergangenen Donnerstag gewesen. Seitdem müssen mehr als 400 Menschen auf Heizung und warmes Wasser verzichten.

Mit bloßem Auge sind die Löcher in der Gasleitung zu sehen. Das Metallrohr liegt jetzt auf einer Wiese an der Görlitzer Straße. Vor dem Haus mit der Nummer 75. Eine Frau kommt aus der Tür und schüttelt sich. "Kalt, kein Wasser", sagt sie. Jahko Dal nickt. Die Frau spricht weiter, Dal übersetzt. "Ihre kranke 90-jährige Mutter lebt in dem Haus." Dal selbst lebt einige Häuser weiter. Wie alle anderen muss auch er seit einer Woche auf heißes Wasser und die Heizung verzichten. Betroffen sind laut Dal über 100 Wohnungen, in denen über 400 Menschen leben. "Niemand hat uns genau gesagt, was passiert ist und wann wir wieder warmes Wasser haben", sagt Dal.

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ZWISCHENRUF

Unzumutbar

Menschen eine Woche ohne heißes Wasser und eine Heizung auskommen zu lassen, ist nicht akzeptabel. Zumindest hätten die Anwohner der Mehrfamilienhäuser rund um die Görlitzer Straße besser informiert werden müssen. Das dürfen diese von ihrer Hausverwaltung verlangen. Wie es zu dem Gasleck kommen konnte, muss nun geprüft werden. Hier sollte die Hausverwaltung aber noch nicht an den Pranger gestellt werden. Trotzdem dürfen alle Seiten froh sein, dass nicht Schlimmeres passierte.

Lennart Krause

Lediglich ein handschriftlich beschriebener und kopierter Zettel hängt im Hausflur: "Wegen Arbeiten an der Gasleitung gibt es zur Zeit keine Heizung und kein Warmwasser. Wir bitten um Ihr Verständnis." Unterzeichnet ist das Schreiben von der Hermes AG, die die betroffenen Mietshäuser betreibt.

Jahko Dal ist entsetzt darüber, wie gefährlich die Situation in seiner Wohngegend war.
Jahko Dal ist entsetzt darüber, wie gefährlich die Situation in seiner Wohngegend war.

Heute, nach einer Woche, könnte die Leidenszeit von Dal und seinen Nachbarn ein Ende haben. Läuft alles rund, haben Jörg Fleiter und Lucas Gesel ihre Arbeiten an der maroden Gasleitung abgeschlossen. Beide arbeiten für die Firma Rohrnetz-Technik Schaumburg aus Bielefeld. "Wir mussten Termine verschieben, nachdem wir den Auftrag bekommen haben", sagt Fleiter. Bei den Stadtwerken, die für die privat betriebene Häusergruppe nicht zuständig sind, hätte es laut Fleiter "wahrscheinlich nur einen Tag gedauert". So rückten die Gütersloher Gasexperten aber wohl nur aus, um das Gas aus Sicherheitsgründen abzudrehen.

Lucas Gesel sorgt dafür, dass die neue Rohrleitung fest in der Hauswand verankert ist.
Lucas Gesel sorgt dafür, dass die neue Rohrleitung fest in der Hauswand verankert ist.

So wurde wahrscheinlich ein schweres Unglück verhindert. "Schlimmstenfalls hätte es eine Gasexplosion geben können, das wäre sehr gefährlich gewesen", sagt Fleiter.

Der Bielefelder Rohrnetz-Techniker konnte erst am Montag ausrücken, um sich vor Ort ein Bild von der Lage zu machen. "Am Dienstag haben wir das Loch ausgehoben." In rund 1,50 Meter Tiefe stießen die Arbeiter auf die Leitung. Gestern wurde sie ausgetauscht. Heute sollen die Arbeiten abgeschlossen werden. Auch die Stadtwerke kommen laut Sprecher Roland Stüwe zur Druckprüfung. Erst wenn diese bestanden ist, darf die Leitung wieder in Betrieb genommen werden.

Doch Jahko Dal ist noch nicht zufrieden. "Seit 28 Jahren wohne ich hier, vor 12 Jahren gab es schon einmal so ein Problem, da haben Handwerker das Gas gerochen." Er fordert von der Hausverwaltung, dass sich so ein Vorfall nie mehr wiederholt. Bei der Hermes AG, die ihren Hauptsitz in Berlin hat und bundesweit Häuser verwaltet, war gestern der zuständige Ansprechpartner nicht mehr zu erreichen.

Jahko Dal hofft nun, dass in Zukunft besser aufgepasst wird: "Jetzt freue ich mich aber erst einmal auf eine heiße Dusche."

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