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BIELEFELD

Soldatenschicksal aus Augustdorf beeindruckt Til Schweiger

Schauspieler erinnert mit dem Film "Schutzengel" an den in Afghanistan getöteten Martin Augustyniak

Verteidigungsminister Thomas de Maizière (links) mit Schauspieler Til Schweiger. - © FOTO: DPA
Verteidigungsminister Thomas de Maizière (links) mit Schauspieler Til Schweiger. (© FOTO: DPA)
Soldatenschicksal

berührt Til Schweiger - © Augustdorf
Soldatenschicksal berührt Til Schweiger (© Augustdorf)

Bielefeld. Sein eigenes Leben hat der Bielefelder Soldat Martin Augustyniak, der in Augustdorf stationiert war, vor zwei Jahren riskiert, um einen Kameraden in Afghanistan zu retten. Das beeindruckte den Schauspieler Til Schweiger so sehr, dass er Augustyniak seinen neuen Film "Schutzengel" widmete. Die Mutter des Soldaten lud der Star zur Premiere ein.

Ursula Wolf war beeindruckt von der Uraufführung im Berliner Sony-Center. "Das war für mich eine große Ehre. Martins Name war im Abspann des Films zu lesen." Gleichzeitig kam aber auch die Trauer wieder in ihr auf. Die Mutter des 2010 in Afghanistan getöteten Soldaten war überwältigt. "Er ist mein Held. Aber ich kann ihn auch nicht mehr in den Armen halten. Das ist ein sehr hoher Preis für die Berühmtheit", sagte Wolf.

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Schweiger sagt Auftritt ab

Der Dreh für "Kokowääh 2", die Promotiontour zu "Schutzengel" und der erste Dreh als "Tatort"-Kommissar: Das alles scheint für Til Schweiger zu viel geworden zu sein. Kurzfristig habe der 48-Jährige einen Auftritt beim Zurich Film Festival abgesagt, teilte die Festivalleitung mit. Schweigers Freund und Kollege Tom Zickler habe ihn bei der Vorstellung von "Schutzengel" auf dem Festival entschuldigt. "Er sprach von Erschöpfung", sagte ein Veranstaltersprecher.

Til Schweiger hatte vor einigen Wochen die deutschen Soldaten in Afghanistan besucht, sich die Schicksale der im Einsatz getöteten Männer schildern lassen. Die Geschichte Augustyniaks, der im Alter von 28 Jahren in der Nähe von Kundus ums Leben kam, hat ihn besonders berührt. "Wie er aus seiner Deckung raus ist – obwohl er wusste, dass der Feind nur auf ihn wartet, um ihn zu töten", schreibt Schweiger in der Bild.

Er sei raus gegangen und habe seinen Kameraden in Deckung getragen. Dabei sei er an Helm und Hüfte getroffen worden. "Er hat seinen verletzten Kameraden mit letzter Kraft in einen Graben geschmissen – und ihn damit gerettet!" Danach sei er bei der Explosion einer Mine ums Leben gekommen. Das Verteidigungsministerium bestätigte diese Darstellung.

"Das bedeutet mir viel"

Deshalb widmete Schauspieler, Regisseur und Produzent Schweiger dem Bielefelder den Film. Im Publikum saßen bei der Premiere 50 Soldaten, die größtenteils in Afghanistan eingesetzt waren, sowie Verteidigungsminister Thomas de Maizière. Nach der Vorführung würdigte Schweiger den Einsatz Augustyniaks und sprach Ursula Wolf und der Witwe des Soldaten, die ebenfalls nach Berlin gereist war, sein Mitgefühl aus. "Ich war froh, dass ich da nicht auf die Bühne musste. Meine Beine wurden sehr schwer", sagte Wolf. Es sei eine schöne Geste von Til Schweiger gewesen. "Das bedeutet mir viel."

Der in Afghanistan getötete Soldat Martin Augustyniak aus Bielefeld wurde 2010 auf dem Friedhof Quelle an der Magdalenenstraße beerdigt. - © ARCHIVFOTO: ANDREAS ZOBE
Der in Afghanistan getötete Soldat Martin Augustyniak aus Bielefeld wurde 2010 auf dem Friedhof Quelle an der Magdalenenstraße beerdigt. (© ARCHIVFOTO: ANDREAS ZOBE)

Der Film "Schutzengel" läuft heute in den Kinos an. Er erzählt die Geschichte des Afghanistan-Veteranen Max, gespielt von Til Schweiger, der als Personenschützer die Vollwaise Nina (Schweigers Tochter Luna) beschützen muss. Diese musste mit ansehen, wie Waffenhändler Backer, gespielt von Heiner Lauterbach, einen Mitwisser erschoss.

Zum Geburtstag Martin Augustyniaks erinnert der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge mit einer Gedenkfeier auf dem Friedhof in Quelle am Freitag um 11 Uhr an den Soldaten.

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