Gütersloh. Die Stadt Gütersloh beklagt sich über Straßenschäden durch britische Panzer. "Immer wieder ramponieren Kettenfahrzeuge der britischen Streitkräfte unsere Bordsteine", sagt Ingo Theismann vom Fachbereich Tiefbau. Jüngste Beispiele: Hüttenbrink und Carl-Bertelsmann-Straße.
Die Schäden dort sind noch frisch. An der Carl-Bertelsmann-Straße ziehen sie sich in Höhe Stiftung über eine Länge von 100 Metern, am Hüttenbrink in Spexard sind die Kantsteine der Verkehrsinsel in Höhe der Eisdiele beschädigt. "Das ist die ewig gleiche ärgerliche Geschichte", sagt Theismann. Teilweise seien die Bordsteine gerade erst repariert, dann biege schon der nächste Panzer um die Kurve.
Zwar würden die Briten der Kosten der Reparatur stets erstatten, jedoch mache "dieses ständige Hinterherflicken" (Theismann) wenig Freude. Zudem beschere es der Stadtverwaltung eine Menge Arbeit. "Das Verfahren zur Kostenerstattung ist recht aufwändig. Wir müssen den Schaden beweisen, ihn dokumentieren und einen Antrag zur Schadensregulierungsstelle des Bundes schicken.
Das alles dauert seine Zeit", so Theismann. Den Schaden selbst behebt die Stadt, indem sie die ramponierten Steine mit einem Zwei-Komponenten-Mörtel überziehen lässt. Da der Farbton des Mörtels sich nicht immer astrein mit jener des Bordsteines deckt, wird die Flickschusterei nach und nach an vielen Stellen im Stadtgebiet sichtbar.
"Das kann einen wirklich auf die Palme bringen"
Vor zwei Wochen erst hatte Theismann die Schadensbilanz für 2011 abgeschickt: 129 Meter an der Carl-Bertelsmann-Straße, 78 Meter am Stadtring Nordhorn, 9 Meter am Hüttenbrink. Nun zu hören, dass schon wieder neue Schäden vorliegen, wo die Reparaturkosten der alten noch nicht erstattet sind, "das kann einen wirklich auf die Palme bringen", sagt der städtische Bauleiter. Der Fairness halber wolle er aber betonen, dass die Briten stets anstandslos, zügig und vollständig zahlten. Im Durchschnitt fielen pro Jahr rund 5.000 Euro an.
Nach Angaben der Streitkräfte sind die Schäden kaum zu vermeiden. "Unsere Panzerfahrer tun ihr bestes, aber breite Kettenfahrzeuge hinterlassen nun mal Spuren", sagt Martina Hollmann, Pressesprecherin der britischen Panzerdivision. Mit mangelnder Tüchtigkeit der Fahrer habe das nichts zu tun.
Laut Hollmann rühren die jüngeren Schäden von Fahrstunden her; Panzerfahrer des in der Mansergh-Kaserne an der Verler Straße stationierten 26. Artillerie-Regiments hätten in den vergangenen vier Wochen Fahrschultraining absolviert - in Sennelager, in Gütersloh und teilweise eben auch auf öffentlichen Straßen. Die Fahrtrouten im Bereich Gütersloh würden stets vorab offiziell angemeldet.
"Kommen wir um solche Fahrstunden nicht herum"
Für ihre Fahrstunden steigen die Soldaten in Panzer vom Typ Warrior und vom Typ Bulldog. Der Warrior-Schützenpanzer wiegt 26 Tonnen, ist 6,30 Meter breit und fährt bis zu 40 km/h, der Bulldog ist kleiner, wiegt 15 Tonnen und fährt bis zu 35 km/h. Bevor die Fahrschüler auf öffentliche Straßen gelassen werden, haben sie laut Hollmann bereits Erfahrung im Gelände gesammelt. Ihre Fahrlehrer seien in Bovington (Großbritannien) als "Driver Mechanic Instructor" ausgebildet worden.
"Wir halten das Fahrtraining im öffentlichen Straßenraum für wichtig", sagt Bettina Wuttke, Assistentin des britischen Verbindungsoffiziers. Die Klagen darüber seien so alt wie der Zeitraum nach dem Zweiten Weltkrieg. "Ich kann das ehrlich gesagt nicht mehr gut hören. Wir zahlen die Reparaturkosten, und gut ist. Was sollen wir denn sonst machen? Solange wir hier mit Panzern stationiert sind, kommen wir um solche Fahrstunden nicht herum."
Dass es Gütersloher Bürger gibt, die davon genervt sind, berichtet freilich Nathaly Hagemann, wohnhaft und arbeitend am Hüttenbrink. "Wenn ich den Lärm höre und mein Schreibtisch zu vibrieren anfängt, weiß ich schon wieder, was kommt", sagt die Spexarderin. Dieses Gefühl teile sie mit vielen Anwohnern am Hüttenbrink. Da hülfen auch Schallschutzfenster nicht weiter.