Herford. Bei dem entscheidenden Schuss musste es schnell gehen. Ein Trupp britischer Soldaten strebt eilig in den bereitstehenden Helikopter, jeder weiß genau, wer wann auf welcher Position zu sein hat. Ein einzelner Soldat bleibt etwas abseits, zückt seine Kamera und drückt ab - für die britische Armee das Foto des Jahres.
Am Auslöser war der in Herford stationierte Staff Sergeant Mark Nesbit, der jetzt im Imperial War Museum in London für sein in der afghanischen Provinz Helmand entstandenes Bild ausgezeichnet wurde. "Ich weiß selber nicht genau, warum sie ausgerechnet mein Foto ausgewählt haben", sagt der 40-Jährige bescheiden. "Wahrscheinlich, weil es so energiegeladen wirkt und für sich bereits eine Geschichte erzählt."
In Afghanistan selbst sorgte sein Schnappschuss in dem Moment hingegen für Ärger. "Der Soldat im Vordergrund schnauzte mich nachher an, weil ich mich nicht an die Abläufe gehalten habe", sagt Nesbit, der sich bei der Erinnerung daran ein Grinsen kaum verkneifen kann. Denn normalerweise gehört es zu seiner Arbeit dazu, im Einsatz für seine Kameraden praktisch unsichtbar zu agieren. "Man muss schon einige Erfahrungen als Soldat aufweisen, um Armee-Fotograf zu werden", erläutert Nesbit.
50 Kilo Ausrüstung
Bei Patrouillen und Einsätzen trägt er zusätzlich zur Fotoausrüstung genau wie die übrigen Soldaten eine Waffe bei sich, um sich im Notfall verteidigen zu können. "Insgesamt musste ich etwa 50 Kilogramm schleppen", sagt der aus Leeds stammende Familienvater. "Ich habe in den sechs Monaten in Afghanistan ganz schön abgenommen."
Vor seinem Einsatz am Hindukusch war Nesbit bereits im Jahr 2007 als Fotograf im Irak aktiv. Seine damals entstandenen Bilder schafften es bei dem Foto-Wettbewerb der Army immerhin schon auf den zweiten Platz. Dass ihm jetzt der große Wurf gelang, macht ihn stolz. "Aber es war bestimmt auch etwas Glück dabei."
Glück hatte er bis jetzt auch bei seinen Einsätzen. "Ich bin in noch keine brenzlige Situation geraten - und wenn doch, habe ich es zumindest nicht mitgekriegt", sagt er scherzhaft.
In nächster Zukunft wird er wohl auch in keine gefährliche Lage geraten. Er betreut nach seiner Beförderung zum Staff Sergeant - etwa der Rang eines Hauptfeldwebels im deutschen Heer - von seinem Herforder Schreibtisch aus die insgesamt 40 Armee-Fotografen der Army, auch für die Schulungen ist er zuständig. Sollte er allerdings doch einen Marschbefehl erhalten, hat er die Kamera schnell gepackt. "Dafür bin ich eben ein Soldat."