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Versmold

Metzger-Models posieren für erotischen Kalender

Aktion der Versmolder Privat-Fleischerei Reinert

- © FOTO: JOERG GROSSE GELDERMANN
(© FOTO: JOERG GROSSE GELDERMANN)

Versmold/Oelde. Bilder mit Frauen in erotischen Posen gibt es viele. Weil aber niemand so perfekt ist, wie die Fotos oft glauben lassen, setzt die Privat-Fleischerei Reinert aus Versmold auf natürliche Ästhetik. Für einen exklusiven Pin-up-Kalender posierten nur waschechte Metzger in ihrer natürlichen Umgebung - der Fleischerei. In teils erotischen Posen wollen sie nicht nur Frauenherzen höher schlagen lassen, sondern auch den Ruf ihres Handwerks aufmöbeln.

Er ist Mister Oktober: Im wirklichen Leben ist Frederic Forthaus Leiter der Hoffleischerei bei Reinert. Leicht bekleidet und mit einer Schale voller Braten ist er demnächst in den Büros seiner Kolleginnen zu sehen. "Ich bin kurzfristig eingesprungen", sagt der 25-Jährige aus Rheda-Wiedenbrück. Ein Model sei einen Tag vor dem Shooting ausgefallen. "Gemodelt? Habe ich noch nie", sagt der gelernte Metzger. Ebenso wie seine Kollegen. Statt professioneller Models wollte Reinert nämlich zum ersten Mal echte Metzger auf den Kalenderblättern sehen.

60 Männer mit Fleischergesellen- oder Meisterbrief aus der ganzen Republik fassten sich ein Herz und kamen zum Casting für den in der Wurstwarenbranche bekannten Männerkalender. "Die Qualität der Bewerbungen war durchgängig sehr hoch", sagt Julia Pillath. Darunter Kandidaten von 18 bis 60, mit oder ohne Sixpack .

Abgelichtet wurden die Auserwählten in der Fleischerei des Pott’s Brau- und Backhauses in Oelde (Kreis Warendorf) - in authentischen Szenen: mit einem Stück Schinken vor der Räucherkammer, an der Füllmaschine für Würste oder beim Kuttern.

Fotoshooting bei 4 Grad
Und wie es sich für einen Pin-up-Kalender gehört, posierten die Metzger natürlich leicht bekleidet. Da hängt schon einmal der eine Träger der weißen Latzhose am Körper herunter oder ist der nüchterne Kittel fast bis zum Bauchnabel aufgeknöpft. "Es hat schon ein wenig Überwindung gekostet", sagt Forthaus. Er posierte für das Oktoberblatt mit nacktem Oberkörper und zusammen mit seinem Vater Friedhelm in dessen Fleischerei - im Kühlhaus bei 4 Grad.

Hunderte Fotos knipste der Berliner Joerg Grosse Geldermann, der normalerweise in der Musikszene tätig ist. "Ein Foto dauert so ganz schön lange", sagt Forthaus. Von Gänsehaut ist auf den Bildern nachher natürlich nichts mehr zusehen. Seine Kolleginnen waren von ihrem leicht bekleideten Chef positiv überrascht. "Wenn sie aber jetzt sagen, dass bei ihnen nächstes Jahr das ganze Jahr Oktober ist, ist das natürlich übertrieben", sagt Forthaus bescheiden.

In erster Linie will Reinert mit dem neuen Version des Kalenders, der zum zehnten Mal erscheint, den Staub vom Bild des Metzgerberufs pusten. Ein Beruf im Fleischerhandwerk sei bei jungen Menschen heute längst nicht mehr so attraktiv wie früher. "Das merken wir an den sinkenden Zahlen Auszubildender", sagt Forthaus, der sein Handwerk in einem - wie er sagt - Vorzeigebetrieb in Bayern gelernt hat. Mit den Laienmodels wolle man zeigen, dass "die Zunft im wahrsten Sinne des Wortes sexy sein kann", sagt Julia Pillath.

Trotz der Werbeabsichten kommt nur eine ausgewählte Kundschaft in den Genuss des Kalenders. Er wird hauptsächlich an Fleischereifachverkäuferinnen verteilt. Ein kleiner Teil der 4.500 Exemplare starken Auflage verkauft Reinert in den Hof-Fleischereien in Versmold und Neuenkrichen-Vörden (Kreis Vechta) und im Online-Shop. Der Erlös geht an den Metzger-Nachwuchs. Drei Stipendiaten sollen so mit jeweils 4.000 Euro unterstützt werden.

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