Bruchmühlen/Kreis Herford. "Hast du die 121? Dann gebe ich dir die 144. Die 54 habe ich doppelt, hast du für mich die 12?" Gespräche in Kindergärten und Schulen, wie sie in den vergangenen Wochen an der Tagesordnung waren. Ein Paar aus dem Bünder Land trieb es mit Tiersticker-Bildern auf die Spitze und beschenkt damit Kinder in verschiedenen Kliniken und Einrichtungen der Region. Unglaubliche 325.000 Tierbilder und dazugehörige Alben haben sie gesammelt - und sortiert.
Eltern konnten in den vergangenen Wochen ein Lied davon singen. Nicht der Schokoriegel oder das Kaugummi waren beim Einkauf interessant, sondern vielmehr die "Tiersticker", die es an der Kasse gab. Die Naturschutzorganisation WWF und die Edeka-Gruppe initiierten die Sammelaktion, die viele Kinder in ihren Bann riss. Auch Sarah, die 13-jährige Tochter von Michaela und Stefan Homann aus Bruchmühlen. Das Mädchen hat eine geistige Behinderung und besucht das Johannes-Falk-Haus in Hiddenhausen.
Ein umgekipptes Glas mit Wasser löste eine Lawine aus. Sarahs Sammelalbum war schon fast komplett. Ihr fehlten nur noch wenige der insgesamt 180 Tierbilder, die darin eingeklebt werden mussten. "Als das Wasser darüber floss, war sie todtraurig", erinnert sich ihre Mutter Michaela. Mit dem Aufruf auf ihrer Facebook-Seite, wer eventuell noch doppelte Bilder hat, trat sie eine Welle los, die sie und ihren Mann wohl noch Wochen beschäftigen wird.
Schnell war das Album wieder voll. "Aber wir hatten rund 300 Sticker übrig", sagt Stefan Homann. "Was damit machen?" Durch Zufall erfuhr das Paar von der Initiative, in der sich der WWF und Edeka für Kinderkrebskliniken einsetzen. Der Spaß, den so viele Kinder bei der Aktion hatten, sollte auch den Kindern in den Krankenhäusern zuteil werden. Beim Einkauf in Osnabrück fragten sie einfach nach, ob sie die übrigen Bilder haben könnten, denn die Sammelaktion war bereits beendet. "Es war ein ganzer Einkaufswagen voll", so Stefan Homann. Später bekamen sie vom Marktkauf Bünde 120 Alben und Sticker - und von da an hatte sie die Leidenschaft selbst gepackt. Allerdings in bis dahin noch ungedachten Ausmaßen.
Von Märkten aus dem gesamten Kreisgebiet und darüber hinaus kamen Spenden. Allein vom WEZ Minden waren es 30 Kartons mit je 7.200 Stickern sowie elf Kartons mit je 20 Alben. Am Ende kam soviel zusammen, dass Michaela und Stefan Homann ihr Arbeitszimmer damit füllen konnten: 1.300 Sammelalben, 60 Sammelboxen und 325.000 Sticker. "Wir waren überwältigt", sagt Michaela Homann.
Seitdem bestehen die Wochenenden aus Sortierarbeit. "Wir stellen immer einen Komplettsatz für ein Album zusammen", erklärt Stefan Homann. Nach einigen Tagen brauchten sie nicht mehr auf die aufgedruckten Bildnummern zu schauen. Das Motiv allein genügte, um die Sticker zuzuordnen. Das ging an manchem Samstag auch schon mal über acht Stunden. Auch Nachbarn und Freunde halfen.
Bisher verteilte das Ehepaar beispielsweise 120 Alben plus Komplettsatz Bilder an die Kinderonkologie der Uniklinik Münster, 50 an das Klinikum Minden, 80 an die Klinik Bad Oexen und 17 an die Förderschule Arche. 200 weitere verschickten sie nach Bayern und auch der Wittekindshof sowie die Grundschule Bustedt bekamen je 15 Komplettsätze und Alben. Weitere Spenden an die Kliniken in Bethel und Osnabrück sind geplant.
Für die häufig schwerstkranken Kinder sind diese Alben eine willkommene Abwechslung vom Krankenhausalltag. "Manchmal mischen die Kliniken die Sätze zimmerweise, damit die Kinder dann untereinander tauschen und so etwas Zerstreuung finden", sagt Stefan Homann.
Allerdings haben sie auch Anfeindungen erlebt. "Einige beschuldigten uns, wir würden damit Geschäfte machen und alles auf eBay verkaufen", erzählt Michaela Homann. "Da hatte ich erst keine Lust mehr und wollte aufhören." Aber die vielen guten Zusprüche und die Dankschreiben verschiedener Kinderkliniken motivierten sie wieder.
Tochter Sarah hütet ihr volles Album wie einen Schatz. Und wenn doch einmal etwas damit passieren sollte, haben ihre Eltern noch einen ganzen Koffer voll mit doppelten Stickern.