Porta Westfalica. Die Andreas-Gärtner-Stiftung leidet unter einer dramatisch zurückgehenden Spendenbereitschaft. 373.320,55 Euro hat die vom Porta-Möbel-Gründer Hermann Gärtner ins Leben gerufene Stiftung im ausgehenden Jahr für geistig behinderte Kinder gesammelt. Im vorangegangenen Jahr war es mit 638.000 Euro noch annähernd doppelt so viel Geld. "Die Situation wird immer schwieriger", bedauert Birgit Gärtner. Gemeinsam mit ihrem Vater ist sie Vorstand der Stiftung.
Auf keinen Fall sollen aber die die Familien mit behinderten Kindern unter der nachlassenden Spendenbereitschaft leiden. "Deshalb sind wir ans Eingemachte gegangen und haben die Rücklage in Anspruch genommen", sagt Birgit Gärtner. Ausgeschüttet wird mithin mehr, als die Stiftung gesammelt hat. Somit hilft die Organisation mit 714.048,02 Euro – und das ist annähernd so viel wie im Vorjahr.
"Wir können doch auch nicht nein sagen, wenn wir diese Geschichten hören", sagt Hermann Gärtner. Der Unternehmer weiß, wie wichtig Hilfe ist. Sein Sohn Andreas, nach dem die Stiftung benannt ist, war geistig behindert. Er lebte auf dem Wittekindshof, Andreas starb 1998 im Alter von 38 Jahren.
Ein wahrer Ärztemarathon
Fuderweise erreichen die oft verzweifelten Bitten um Hilfe die Stiftung. Da beschreibt zum Beispiel die Mutter der jetzt elfjährigen Vanessa, welch ein fröhliches, aktives und aufgewecktes Kind das Mädchen war. In der Grundschule stellten sich Lernschwierigkeiten ein, die Sehkraft wurde schwächer – und für Vanessa und ihre Eltern begann ein wahrer Ärztemarathon. Irgendwann diagnostizierten die Mediziner eine schwere Stoffwechselerkrankung.Betroffene Kinder erblinden, leiden unter epileptischen Anfällen, die geistige Leistungsfähigkeit nimmt rapide ab. Die Krankheit ist tödlich, Vanessa wird wohl nicht älter als 30 Jahre werden. "Vanessa ist früher für ihr Leben gern mit dem Fahrrad gefahren", schreibt die Mutter. Natürlich geht das längst schon nicht mehr – es sei denn, mit einem speziellen Therapierad. Das allerdings kostet 9.000 Euro. Für Vanessas Eltern, die gerade erst das Haus behindertengerecht umbauen mussten, ist das unerschwinglich. "Natürlich haben wir geholfen", sagt Hermann Gärtner. 3.000 Euro hat die Familie bekommen.
210 Familien und Organisationen hat die Stiftung in diesem Jahr Geld überwiesen. Mal für ein behindertengerechtes Auto, mal für therapeutisches Reiten oder einen Treppenlift. Profitiert haben auch die großen Einrichtungen der Region: der Wittekindshof (45.000 Euro), die v. Bodelschwinghsche Stiftung (60.000 Euro), die diakonische Stiftung Salem Minden (30.000 Euro) und Eben-Ezer in Lemgo (30.000 Euro).
Neuer Markt
- Für das nächste Jahr macht sich die Andreas-Gärtner-Stiftung begründete Hoffnungen auf wieder mehr Spenden.
- Im Spätsommer wird ein neuer Porta-Markt in Leipzig eröffnet. Für die Stiftung ist das ein bewährter Anlass, um Spenden zu bitten.
- Der neue Markt entsteht auf der Fläche der ehemaligen Leipziger Messe. Dort laufen die Abrissarbeiten, anschließend wird neu gebaut.
- Der Markt bekommt eine Verkaufsfläche von 34.000 Quadratmetern, das sind 6.500 Quadratmeter mehr als die Fläche des Gütersloher Marktes.