Porta Westfalica. Als Erstes fällt die wohlige Wärme auf. Eine, die kein anderer Weihnachtsmarkt bieten kann: Zehn Grad Celsius herrschen in den Stollen des Besucherbergwerks - ganzjährig. Dazu weder Wind noch Regen. "Wir haben es hier fast schon kuschelig", sagt Museumsleiter Mirko Ignatz. 11.000 Besucher - so viele werden an diesem regnerischen Wochenende erwartet - werden ihm Recht geben.
Den Elementen ausgesetzt, würden die beiden Engel Alexandra und Sara auch kaum einen ganzen Tag zwischen den Ständen aushalten. Beide passen in ihren extrovertierten Kostümen gut in die neonbeleuchtete Kulisse unter Tage. Die mit goldenen Sternen versehenen Bauhelme runden ihr Outfit ab.
Apropos Helme: Die werden direkt hinter der Kasse ausgegeben und sind absolute Pflicht - keine Diskussion. So manche Besucherin trauert schon vor dem Aufsetzen ihrer aufwendig geföhnten Frisur hinterher, doch es hilft alles nichts. Ohne Kopfbedeckung ist beim Ordner am Stolleneingang kein Vorbeikommen.
Direkt im Eingangsbereich stehen Männer in der Arbeitskleidung früherer Bergleute an einem Info-Punkt. Ihre Grubenlampen am Helm erinnern daran, dass es im richtigen Bergarbeiterleben selten so hell war wie jetzt. Bis in die 1960er Jahre wurde in den Stollen am Wesergebirge noch Eisenerz abgebaut. Die Barbara Erzbergbau GmbH ist heute Betreiber des letzten deutschen Eisenerzbergwerks, der Grube Wohlverwahrt-Nammen, nur wenige Kilometer entfernt.
Folgt man links vom Eingang den noch vorhandenen Schienen der Grubenbahn, gelangt man nach rund 70 Metern zu einem hell erleuchteten Café am Ende des Stollens, das aussieht, als wäre es schon immer dort gewesen. Auf dem Weg dorthin stehen links und rechts Teelichter im XXL-Format, die wie Positionslampen auf einer Startbahn wirken. An den Stollenwänden laufen dicke Kabel von der Decke tropft es hin und wieder.
Zwischen den teils skurrilen Ausstellungsstücken aus der Zeit des Bergbaus - darunter ein Kettenvorzieher - stehen Weihnachtsmarktstände mit nicht immer stilsicheren Geschenkartikeln. Wer auf 50 Zentimeter hohe Elvis-Figuren (samt Gitarre) aus Plastik steht, wird hier fündig werden. Vom anderen Ende des Stollens dringt Männergesang herüber. Die "Blauen Jungs", ein Shantychor aus dem Portaner Stadtteil Möllbergen, singen auf einer kleinen Bühne von den Weiten der Weltmeere. Unter Tage ist die Sicht inzwischen nicht mehr ganz so gut - die Dämpfe der zahlreichen Essensstände hängen unter der Stollendecke fest. Das weißbehelmte Publikum lässt sich davon jedoch nicht stören.
Seit vier Jahren gibt es den Weihnachtsmarkt schon, Museumsleiter Ignatz konnte dieses Jahr 56 Stände unterbringen. Ebenso aufwendig wie die Logistik unter Tage ist das überirdische Heranführen der Besucher. "Direkt vor Ort haben wir keine Parkplätze für tausende Autos. Also haben wir einen Shuttleservice von drei Parkplätzen in der näheren Umgebung eingerichtet", erzählt Ignatz, der seit 2009 Museumsleiter in Kleinenbremen ist. Ignatz hat gedanklich den Weihnachtsmarkt schon hinter sich gelassen. Er spricht von Grubendinnern und einer Theaterbühne unter Tage. "Kommt alles im nächsten Jahr", sagt Ignatz.