Bielefeld. Politik und insbesondere die Sozialdemokratie haben Heinrich Junker aus Bielefeld geprägt, 19 Jahre als Mitglied des deutschen Bundestags und 21 Jahre als Bezirksvorsitzender seiner Partei. Vor wenigen Tagen ist Junker gestorben. Im April wäre er 90 geworden.
Menschlichkeit und Kompetenz nennen Parteifreunde als herausragende Eigenschaften des Ostwestfalen. Stets sei er für eine Gesellschaft eingetreten, in der die Arbeitskraft des Menschen nicht als Ware gesehen wird. So zählte er in den 80er Jahren zu den Ersten, die für eine kontinuierliche Verkürzung der Arbeitszeit stritten.
Bernd Brunemeier, langjähriger politischer Weggefährte Junkers, erinnert sich: "Er verband ein hohes Maß an wirtschaftspolitischer Kompetenz mit großem Engagement in der Sozialpolitik. Das war in den frühen 80ern keineswegs selbstverständlich." Junker jedoch sei es auf beeindruckende Weise gelungen, diese scheinbaren Gegensätze miteinander zu verbinden.
Der ehemalige Landtagsabgeordnete Brunemeier lernte Junker 1970 im Ortsverein Ummeln kennen und unterstützte ihn im Wahlkampf. Was ihm an dem Älteren besonders imponierte: "Er konnte selbst komplizierte Sachverhalte aus der Wirtschaftspolitik so vermitteln, dass jeder sie verstand."
Anlässe, sein rhetorisches Talent unter Beweis zu stellen, nutzte Junker häufiger. Etwa 1969, als Willy Brandt, damals SPD-Bundesvorsitzender, im Wahlkampf auch Bielefeld besuchte. Der große Vorsitzende verspätete sich. Um der Menge vor dem Rathaus die Zeit zu verkürzen, betrat Heinrich Junker den Balkon und sprach zu den Wartenden. Völlig spontan und ohne Manuskript, erinnert sich einer, der dabei war. Erst beim Eintreffen Brandts habe er dem Gast das Wort überlassen.
Junker kam in Liemke zur Welt. In früher Jugend erlebte der Politiker das Ende der Weimarer Republik. Nach seiner Rückkehr aus dem Krieg trat er 1949 in die SPD ein. Über die Gewerkschaft erhielt der gelernte Einzelhandelskaufmann, der sich privat in der katholischen Männerarbeit engagierte, ein Stipendium an der Akademie für Gemeinwirtschaft in Hamburg. Nach seiner Tätigkeit als Leiter der Heimvolkshochschule Bergneustadt führte ihn seine politische Laufbahn in den frühen 60ern in die damalige Bundeshauptstadt Bonn. Bis 1980 gehörte Junker für den Wahlkreis Bielefeld dem Bundestag an, von 1966 bis 1984 dem Bundesparteivorstand.
Den ihm 1988 übertragenen Ehrenvorsitz der OWL-SPD legte der Politiker 2004 nieder, weil sich SPD-Mitglieder für den Erhalt des Flugplatzes Windelsbleiche ausgesprochen hatten. In einem Brief äußerte sich der damals 81-Jährige, wenn die Partei vor den Wahlen "so tue, als interessiere sie die Landebahn-Verlängerung ernstlich, kann man nur den Kopf schütteln". Junker hatte seinen Wohnsitz in der Nähe des Landeplatzes. Verheiratet war er mit Hilde Junker-Seliger, die als SPD-Kommunalabgeordnete und im DGB-Bundesvorstand stets politisch aktiv war.