Bielefeld (jr). Nachdem die Polizei am Montag den Angriff eines Betrunkenen auf einen hilflosen Rollstuhlfahrer (30) in der Stadtbahnlinie 3 veröffentlicht hat, blieben am Dienstag die erhofften Hinweise auf den Täter aus. Laut Polizeisprecher Friedhelm Burchard meldete sich nur ein Zeuge: "Ungewöhnlich wenig."
Wie berichtet hatten zwar 30 bis 50 Fahrgäste die Attacken auf den Rollstuhlfahrer Tobias Hille am Mittwoch, 9. Januar, mehrere Minuten lang verfolgt, aber keine Hilfe gerufen. Der etwa 25 bis 30 Jahre alte Mann hatte in der Linie 3 zunächst Fahrgäste angebettelt und schließlich auch Hille angesprochen. Plötzlich schimpfte und bedrohte er den Bürokaufmann – und schlug immer wieder auf seinen Kopf ein. 15 Minuten lang war die Bahn währenddessen unterwegs, ohne dass ein Hilferuf bei MoBiel, Fahrer oder Polizei eingegangen sei, so die Behörden.
Zwar hätten tatsächlich mehrere Fahrgäste versucht einzugreifen, aber erfolglos, wie Hille bestätigte. Der betrunkene Täter schlug, demütigte und verängstigte den 30-Jährigen fast 15 Minuten lang. Laut soll Hille immer wieder um Hilfe gebeten haben. Ohne Erfolg. Am Jahnplatz konnte der Täter ungehindert aussteigen. Zum Glück blieb der halb gelähmte Mann unverletzt.
"Videoaufzeichnungen aus dem Wagen gibt es leider nicht mehr", bestätigte MoBiel-Sprecherin Stephanie Baseler. Alle Aufnahmen in den Bahnen würden aus Datenschutz-Gründen nach 24 Stunden überspielt. Weil das Opfer erst einen Tag nach der Attacke Anzeige erstattet habe (laut Polizei stand er unter Schock), konnte die Kripo nicht mehr auf die Bilder zugreifen. "Allerdings existieren noch Aufnahmen vom Bahnsteig am Jahnplatz, wo der Täter ausgestiegen sein soll." Die Aufnahmen vom Jahnplatz dürften wegen des hohen Personenaufkommens dort länger gespeichert werden. "Wir haben die Aufnahme gesichert und gestern der Polizei übergeben", so Baseler.
Die Kripo werde nun den bisher einzigen Zeugen und das Opfer, das bisher auch noch nicht befragt wurde, zur Sache hören und das neue MoBiel-Video sichten, so Burchard. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen räuberischer Erpressung.