Bünde-Ennigloh. Es sollte ein Filmprojekt des Geschichtskurses werden, doch die Schüler der Erich Kästner-Gesamtschule bekamen unerwarteten Besuch. Die Jungen und Mädchen der 13. Jahrgangsstufe machten sich am Nachmittag auf, um vom Kriegerdenkmal auf dem Ennigloher Friedhof Bilder und Filmmaterial zu sammeln. Sie besprachen den geschichtlichen Hintergrund des Denkmals.
Doch gleich zu Beginn der Unterrichtsstunde störte ein Passant die Gruppe und bat sehr fordernd, zuhören zu dürfen. Nach wenigen Minuten verschwand er mit dem Handy am Ohr. Keine zwanzig Minuten später wurden die Schüler selber per Handkamera gefilmt: Ein Neonazi mit Springerstiefeln, Sonnenbrille und "Skinhead 28"-Lederjacke versuchte, die Gruppe einzuschüchtern.
Er sei hier, da er sich um das "Ehrenmal für die gefallenen Kameraden" sorge, sagte der dunkel gekleidete Mann. Es werde durch die angehenden Abiturienten der Erich Kästner-Gesamtschule "mit Füßen getreten". Unverzüglich schritt der Geschichtslehrer Martin Behrens ein und bat den Mann nachdrücklich, den Platz zu verlassen und die Aufnahmen zu löschen.
Keine großen Hoffnungen
Anschließend meldete der Lehrer den Vorfall der Polizei und erstattete eine Anzeige gegen unbekannt. Die Anzeige bezog sich auf die Verletzung des Rechts auf das eigene Bild. "Der Verdacht liegt nahe, dass der aufgetauchte Neonazi vom ,Zuhörer gerufen wurde", sagt Martin Behrens auf Anfrage. Er mache sich aber keine großen Hoffnungen, dass die Anzeige etwas bewirke.Dieser Vorfall zeige den Kern des Problems: Das ehemalige Ehrenmal, erbaut als ein Appell, den gefallenen Helden des ersten Weltkrieges nachzueifern und für ein Wiedererstarken des Deutschen Reiches zu kämpfen, hat inzwischen eine radikale Umdeutung erfahren. Heute wird es als Mahnmal gegen Krieg und Gewalt gesehen. Doch die ursprüngliche Aussageabsicht lasse sich aufgrund der zusätzlichen Gedenktafel an die Opfer des Krieges kaum verhehlen. Das Denkmal locke anscheinend immer noch Rechte an.
Die Schüler reagierten verstört auf den Zwischenfall, einige meldeten sich besorgt von der Veranstaltung ab. "Es kann nicht sein, dass Nazis durch billige Einschüchterungsversuche jede kritische Auseinandersetzung mit dem Denkmal zu verhindern versuchen", so Behrens. Er möchte deutlich machen, dass es in Bünde kein Verständnis und erst recht keinen Freiraum für Neonazis gibt.