Bielefeld. Deutsche Produkte verkaufen sich gut. Ihnen haftet der Nimbus von Qualität und Haltbarkeit an. Doch nicht immer, wenn "Made in Germany" draufsteht, ist auch deutsche Wertarbeit drin. Die Zeitschrift Öko-Test hat sich in ihrer aktuellen Ausgabe mit dem Thema befasst. Das Ergebnis ist erschreckend – zumindest aus Verbrauchersicht.
Die große Überraschung vorab: Eine gesetzliche Regelung dazu, wann der Begriff "Made in Germany" genutzt werden darf, existiert nicht. "Heutzutage können bis zu 90 Prozent einer Ware im Ausland gefertigt sein und trotzdem das Label tragen", zitiert Öko-Test Mirko Klimas vom Verbraucherzentralen-Bundesverband.
Ein Eindruck, der sich nach Recherchen dieser Zeitung bestätigt. "Konkrete Angaben dazu, wann und unter welchen Umständen das Label verwendet werden darf, liegen mir nicht vor", sagt Christian Fronczak, Sprecher des Bundesverbraucherschutzministeriums. "Made in Germany" sei "kein Qualitätskriterium, sondern nur eine Herkunftsbezeichnung".
Das sehen Verbraucher aber anders. Zumindest laut einer Studie von Justus Haucap, Wettbewerbsökonom an der Universität Düsseldorf. Er hat nachgewiesen, dass "die Zahlungsbereitschaft für Produkte ,made in Germany durchweg höher" ist, zitiert ihn der Tagesspiegel. Den Eindruck bestätigt auch eine Studie der Marktforscher von Global Market Insite. Das Label "Made in Germany" ist demnach 4,1 Milliarden Euro wert.
Selbstkontrolle der Wirtschaft gefordert
Verbraucherschützer fordern deshalb eine Selbstkontrolle der Wirtschaft. So auch der Chefredakteur von Öko-Test, Jürgen Stellpflug: "Verbraucher gehen davon aus, dass sie mit ,Made in Germany hochwertige Produkte kaufen und gleichzeitig die Umweltbelastung verringern, die durch Transport um die ganze Welt entsteht."Die Industrie in der Region zeigt Verständnis für die Forderung. "Gegen Transparenz ist nichts einzuwenden, wenn zusätzliche Bürokratie vermieden wird", sagt Christoph von der Heiden, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen in Bielefeld. Für Unternehmen der Region habe das Siegel eine große Bedeutung: "Sie lösen das Versprechen des Labels in hohem Maße ein."
Heimische Hersteller nutzen Siegel
Der Automatenhersteller Wincor Nixdorf in Paderborn weiß, dass "Made in Germany" auch als Qualitätskriterium verstanden wird. "Im Ausland bringt es einen Wettbewerbsvorteil", sagt Sprecher Andreas Bruck. Wincor Nixdorf wirbt für seine in Deutschland gefertigten Produkte mit dem Label – auch wenn nicht immer alle Einzelteile aus Deutschland kommen. Das Unternehmen erzielt 76 Prozent seines Umsatzes durch den Export.Miele nutzt das Ländersiegel ebenfalls. Bei Waschmaschinen klebt es nicht auf der Sichtblende, sondern auf dem Typenschild. "Jede Waschmaschine wird zu 90 Prozent in Deutschland hergestellt", sagt Sprecherin Reinhild Portmann.
Beim Haushaltsgerätehersteller Melitta werden die Kaffeemaschinen in Portugal gefertigt. "Deshalb nutzen wir für sie das Label ,Made in Europe", sagt Werner-Ulrich Lange vom Konzern in Minden.