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Lübbecke

Lübbecker Ex-Anwalt soll hinter Gitter

127.000 Euro von Mandanten einbehalten / Berufsverbot seit 2011

- © Symbolfoto: dpa
(© Symbolfoto: dpa)

Lübbecke/Minden. Ein Anwalt aus Lübbecke ist wegen Veruntreuung von Mandantengeldern vom Mindener Schöffengericht zu zwei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden. Vorgeworfen wurde ihm Untreue in 18 Fällen. Mindestens zwei Lübbecker Familien, die fünfstellige Summen von Unfallversicherungen zugesprochen bekommen hatten, haben das Geld nie erhalten. Die Rechtsanwaltskammer hat dem Mann bereits Berufsverbot erteilt.

Der Angeklagte gestand vor Gericht, rund 127.000 Euro veruntreut zu haben. Auslöser sei der plötzliche Tod seines Vaters gewesen, in dessen Anwaltskanzlei er tätig war: "Ich war wie paralysiert und völlig überfordert."Eines Tages habe er ein Mandat in einer Mietsache übernommen, habe jedoch Fristen verstreichen lassen und sei dafür in Regress genommen worden.

So sei er in Geldnot geraten und habe Löcher mit Mandantengeld gestopft. Das flog auf, als Mandanten ihn bei der Rechtsanwaltskammer anzeigten. 2011 erhielt er ein Tätigkeitsverbot. Geld auf sein Privatkonto habe er nicht überwiesen, versicherte der ehemalige Jurist. Die Schulden seien immer höher geworden, Mitarbeiter hätten von den Unregelmäßigkeiten Wind bekommen, und er habe versucht, "das Schiff zu retten". Doch "die Schlinge zog sich immer weiter zu", so der 45-Jährige.

Als besonders perfide bezeichnete der Oberstaatsanwalt in seinem Plädoyer den Fall eines achtjährigen Unfallopfers. Die Eltern des Mädchens, das von der Eurobahn angefahren worden war, hatten mit Hilfe des Juristen 64.000 Euro von der Unfallversicherung erstritten. Auch dieses Geld unterschlug der Anwalt. Da er inzwischen insolvent ist, so der Oberstaatsanwalt, wird die Familie kaum oder gar nichts von der Summe erhalten.

Er forderte zweieinhalb Jahre Haft, weil der Angeklagte immerhin Reue und Einsicht gezeigt habe. Sein Verteidiger betonte, dass für seinen Mandanten schon das Berufsverbot eine "immense Bestrafung" sei und er in seiner Heimatstadt große soziale Ächtung erfahre. Dort war er Mitglied im Ethik-Komitee des Krankenhauses und Vorsitzender des Sozialverbands.

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