Bielefeld-Ummeln. Ein Mann aus Steinhagen ist Samstag am Steuer seines VW Passat bewusstlos geworden und auf der Brockhagener Straße ungebremst gegen einen Baum geprallt. Dabei hatte der 52-Jährige laut Polizeihauptkommissar Jörg Dettmer großes Glück: Direkt hinter ihm fuhr eine Familie – an Bord zwei Krankenschwestern und ein Krankenpflege-Azubi. Sie holten den Mann aus seinem Fahrzeug und retteten ihm nach erlittener Herzattacke (Kammerflimmern) mit einer sofortigen Herzdruckmassage das Leben.
Katja Minetzke (27) aus Herzebrock-Clarholz gehen die Bilder vom Samstagnachmittag noch nicht aus dem Kopf: "Ich habe noch meinen Vater angeschrien: ,Brems, der ist betrunken!" Tatsächlich schlingerte der weiße Passat laut Polizeibericht gegen 14.45 Uhr nach rechts von der Fahrbahn. Er überfuhr einen Leitpfosten und rammte ungebremst einen Baum am Rande der Straße.
Katja Minetzke war gerade mit ihrem Freund Oliver Hörster (28) und ihren Eltern Ines (53) und Jürgen (56), die aus Peitz bei Cottbus zu Besuch waren, vom Ikea-Einkauf auf dem Rückweg nach Hause, als direkt vor ihnen das Unglück passierte.
"Im Nachhinein haben wir uns gesagt: Er hatte Glück, dass ausgerechnet wir da waren. Wir waren ein gutes Team. Wir mussten nicht reden – jeder wusste, was zu tun war."
Nachdem Vater und Krankenpflege-Azubi Oliver Hörster den offensichtlich Bewusstlosen aus dem Auto gezogen hatten, erkannte Krankenschwester Ines Minetzke sofort die Notlage. "Er war nicht mehr ansprechbar, reagierte auch nicht auf einen Schlag auf den Brustkorb", so die 53-Jährige. Sofort beginnt sie mit der Herzdruckmassage. Während Vater Jürgen den Verkehr an der Unfallstelle vorbeileitet, ruft Katja den Notruf.
Gefühlte zehn Minuten später löste endlich die Notärztin mit ihrem Retter-Team die Ersthelfer ab. Krankenschwester Ines assistierte noch weiter, bis es ihnen gemeinsam gelungen war, den Bewusstlosen zurück ins Leben zu holen. Irgendwann fuhr die erschöpfte Familie davon. Sie erfuhren nicht mehr, dass die Notärztin gegen 15.30 Uhr Entwarnung geben konnte: "Der Patient war wieder stabil und konnte ins Krankenhaus gefahren werden", berichtete Polizeieinsatzleiter Dettmer später.
Durch den ungebremsten Aufprall gegen den Baum habe der Mann übrigens keine weiteren Verletzungen erlitten, sagte Dettmer. Am Unfallort lobte er alle vier Ersthelfer: "Das waren genau die richtigen Hilfsmaßnahmen zur richtigen Zeit. Das war vorbildliche Hilfe und durchaus nicht selbstverständlich."
Für die Familie aus Brandenburg – die Tochter war für ihren Job am Klinikum Gütersloh in die Region gezogen – blieb aber die Ungewissheit: "Wir haben nur das gemacht, was wir gelernt haben. Dabei sah er erst nicht so gut aus." Am Abend saßen alle Vier am Lagerfeuer. "Immer wieder kam einer von uns auf den Vorfall zu sprechen. Wir wollten endlich wissen, ob er es geschafft hat." Erst spät am Abend erhielten die Lebensretter von Ummeln die erleichternde Nachricht. "Vorher konnten wir einfach nicht abschalten. Hoffentlich wird er auch wieder ganz gesund."