Gütersloh. An Tagen wie diesen singt der Schalke-Boss. Der ungekrönte König von Liz Mohns Frühlingsfest ist Clemens Tönnies. Der Fleisch-Baron aus Rheda zeigt der geladenen Prominenz aus der Region, dass er zu feiern versteht.
Selbstbewusst entert er die Bühne und schmettert den Hit der "Toten Hosen". Die 370 Gäste der Charity-Party zugunsten der Stiftung Deutsche Schlaganfallhilfe feiern ihn im Parkhotel wie einen Popstar. Zuvor hatten sie rund 51.000 Euro gespendet.
"Der kann das", erklärt anerkennend der heimische Europa-Abgeordnete Elmar Brok. Bei "Griechischer Wein" zieht es die Gastgeberin auf die Tanzfläche – Tönnies hat das Fest im Griff.
Zuvor hatte Liz Mohn eine "neue Aufbruchstimmung in Wirtschaft und Gesellschaft" gefordert. In jüngster Zeit habe sie im Namen der Bertelsmann-Stiftung in Madrid und Washington Mächtige zur Diskussion geladen und Verunsicherung festgestellt, sagt sie. Dem von ihr apostrophierten "globalen Jahrhundert" fehle es an Sinnstiftung.
Desorientierung und Zukunftsangst trieben die Menschen um. Zusammen mit Aart de Geus, der als Stiftungsvorstand erstmals im Parkhotel den Frühling feiert, habe sie mit Bundespräsident Joachim Gauck die Lage erörtert.
Aber es gebe Lichtblicke. In Davos habe sie ein "pakistanisches Mädchen" getroffen, das auf Einladung von Bill Gates zum Weltwirtschaftsforum gekommen sei. Die junge Frau habe via Internet ihr Physikstudium absolviert und eine glänzende Zukunft vor sich, berichtet Liz Mohn ihren Gästen. Sie gehe davon aus, dass junge Menschen in naher Zukunft dank des weltweiten Datennetzes für 170 Dollar ihr Studium absolvieren könnten. Da trifft es sich gut, dass Bertelsmann in jüngster Zeit in diesen Bildungsbereich Millionen investiert hat.
Fest steht für Liz Mohn, dass Menschen den Sinn ihres Lebens zunehmend in ihrer Arbeit fänden. "Daher ist eine Unternehmenskultur die Identifikation, Motivation und Kreativität fördert, umso wichtiger." Bei Thunfischburgern mit Currysauce, Hummergugelhupf auf Limetten-Risotto und Trüffelwürstchen mit Schalottenpüree plätschert die Party dahin, bis Tönnies zum Mikro greift.
Interessierte Spannung herrscht als Ex-Arvato-Chef Rolf Buch fast gleichzeitig mit seinem Nachfolger Achim Berg eintrifft. Buch, der im Dezember gehen musste, ist seit dem 1. April Chef des größten deutschen Immobilienunternehmens "Deutsche Annington".
Neben Berg feiern auch die Bertelsmann-Vorstände Judith Hartmann (Finanzen) und Thomas Hesse (Strategie) mit der Konzern-Matriarchin bei acht Grad Außentemperatur in den Frühling. Sie hören und beklatschen zusammen Tönnies Version von Udo Lindenbergs "Cello". Stammgäste sind Gerhard Weber, Hermann Gärtner (Porta), Bürgermeisterin Maria Unger und Landrat Sven-Georg Adenauer. Gerätselt wird, warum Bertelsmann-Chef Thomas Rabe fehlt. Zusammen mit Liz Mohn hatte er zum Fest geladen.
Adlon-Flair im Parkhotel
Zum 30 Geburtstag leistet sich das Parkhotel eine besondere Ausstattung. Im Foyer begrüßen an diesem Abend die Elefanten des legendären Adlon-Brunnens die Gäste. Die Filmrequisite hatte sich Hotelchef Sönke Tuchel von dem Sammler Ulrich Ch. Knapp geliehen. Auf dem Nachbau des Rezeptionstisches serviert Tuchel Erdbeeren. Beide Requisiten waren für den ZDF–Dreiteiler "Das Adlon" gefertigt worden. Ein Mercedes 630 K (Baujahr 1927) steht als Hingucker im Speisesaal. Der von Ferdinand Porsche entworfenen Oldtimer soll einst zum Fuhrpark des Hotels in der Reichshauptstadt gezählt haben.