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Bielefeld

Bargeld-Falle am Geldautomaten

Videoüberwachung überführt Profi-Trickdieb: Polizei nimmt Verdächtigen in der Nähe der Sparkasse fest

Beim Cash-Trapping kleben die Täter eine Teppichleiste unter den Ausgabeschlitz. Dort sollen Banknoten – hinter einer Blende – unsichtbar kleben bleiben. Kunden sollten daher nach jeder Abhebung die Vollständigkeit des Bargelds überprüfen. - © FOTO: DPA
Beim Cash-Trapping kleben die Täter eine Teppichleiste unter den Ausgabeschlitz. Dort sollen Banknoten – hinter einer Blende – unsichtbar kleben bleiben. Kunden sollten daher nach jeder Abhebung die Vollständigkeit des Bargelds überprüfen. (© FOTO: DPA)

Bielefeld. Die Polizei hat einen Verdächtigen festgenommen, der in Bielefeld mehrfach Geldautomaten der Sparkasse manipuliert hatte, um mit Hilfe von Klebefolie an das ausgeworfene Geld der Kunden zu gelangen. "Cash-Trapping" nennt sich diese Form der Trickdiebstahl-Methode.

Laut Polizeisprecherin Sonja Rehmert konnte die Polizei am Pfingstsonntag einen 45-jährigen Täter, der keinen festen Wohnsitz in Deutschland hat, direkt nach seiner Tat in der Sparkasse an der Dornberger Straße festnehmen.

Pech für den Täter: Mitarbeiter der Bank hatten gegen 15.15 Uhr der Polizei einen Mann gemeldet, der gerade einen ihrer Geldautomaten manipuliert hatte. Das hatte ein aufmerksamer Mitarbeiter über die Videoüberwachung erkannt. Die Polizei konnte den Tatverdächtigen sogar noch in der Nähe der Bank festnehmen.

Wie funktioniert die neue Bargeld-Falle (engl.: "Cash Trap")? Der Täter hatte laut Sonja Rehmert über den Geldausgabeschacht des Automaten eine Blende geklebt, die innen mit einer Klebefolie versehen war. Mit dieser verhinderte er, dass die Geldnoten ausgegeben, aber auch wieder vom Automaten eingezogen wurden. Die Scheine blieben statt dessen innen an der Blende kleben. Während sich der Bankkunde wegen einer vermuteten Störung in die Bank begibt, holte sich der 45-Jährige schnell seine kleben gebliebene Beute ab. Im Gegensatz zum Skimming spähen die Täter hierbei keine Daten aus. Sie bedienen sich vielmehr eines Tricks, um ans Geld zu kommen.

Der Festgenommene hatte tatsächlich eine solche Blende für den Geldautomaten und Klebeband bei sich. Außerdem hatte er 80 Euro Bargeld dabei. Der 45-jährige Ungar ist bereits mehrfach wegen vergleichbarer Delikte in Erscheinung getreten. Er wurde einem Haftrichter vorgeführt und ging anschließend in Untersuchungshaft.

Nach derzeitigen Stand der Ermittlungen können dem Mann mindestens drei Taten - am 12. und 19. Mai in der Sparkasse an der Dornberger Straße (Uerentrup) und am 18. Mai in der Sparkasse am Eggeweg (Gadderbaum) - zugeordnet werden. Wie viel Geld der Täter dabei erbeutete, ist noch unbekannt.

Bankkunden, denen ein Geldautomat zuletzt kein Bargeld ausgab, sollten unbedingt ihre Kontoauszüge kontrollieren, warnt Sonja Rehmert: "Sollte trotzdem eine Auszahlung verbucht sein, könnten Sie Opfer von Cash-Trapping geworden sein." Dann melden Sie sich beim Kriminalkommissariat 13 der Polizei unter Telefon 0521-5450.

Bereits im November 2012 war es in Bielefeld zu sechs "Cash-Trapping"-Fällen gekommen, die einem 40-Jährigen zugeordnet werden konnten.

Die Polizei rät: "Wirft der Bankautomat kein Geld aus, sollten Sie den Automaten auf keinen Fall verlassen. Lassen Sie sich auch nicht von einem vermeintlich hilfsbereiten Fremden vom Automaten weglocken." Sicherer wäre es, einen anderen Kunden zu bitten, einen Bankmitarbeiter zu holen. Handelt es sich um einen Automaten außerhalb der Bank, ist ein Anruf bei der Bank oder bei der Polizei ratsam.

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