Bielefeld/Münster. Beschaulich, aber hinterwäldlerisch. So könnte das Urteil lauten, wenn man sich in Schulbüchern über Westfalen informiert - falls man überhaupt etwas findet. Denn der Landesteil wird im Unterrichtsmaterial für NRW-Schulen gegenüber dem Rheinland vernachlässigt und verzerrt dargestellt. Das war das Ergebnis einer Studie des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL). Der Verein Westfalen-Initiative hat nun Lehrerinnen und Lehrer in der Region zu dem Thema befragt.
Das Ergebnis: Die meisten Geografie- und Sachkundelehrer wünschen sich mehr Unterrichtsmaterialien über die Heimat. 60 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass es zu wenig Material über Westfalen gibt - insbesondere an weiterführenden Schulen. "Die Untersuchung des LWL hat uns hellhörig werden lassen", sagt Andrea Geistert-Krol von der Westfalen-Initiative in Münster.
Die Online-Umfrage richtete sich an alle Schulen in den drei westfälischen Regierungsbezirken, 273 Pädagogen nahmen insgesamt teil, davon knapp 60 aus Ostwestfalen-Lippe. "Die meisten Lehrer, die ihren Schülern etwas über die Heimat vermitteln wollen, suchen sich ihre Materialien selbst aus verschiedenen Quellen zusammen", erklärt Thomas Dierschke vom Forschungsinstitut Bema der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, das die Umfrage durchgeführt hat. Nur 26 Prozent der Lehrkräfte nutzten dafür die Lehrbücher. Für die Westfalen-Initiative ein klarer Beweis dafür, dass die Schulbuchstudie des LWL recht hat und Westfalen in Lehrwerken unterrepräsentiert ist. "Nur wenn Kinder ihre Umgebung kennenlernen, werden sie sich auch mit ihr identifizieren und sich für sie einsetzen", erklärt Wolfgang Hölker, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Westfalen-Initiative.
Diese Meinung teilen die Lehrkräfte: Mehr als 80 Prozent der Befragten stimmten der Aussage zu, dass regionale Bezüge eine große Bedeutung im Unterricht haben und die Verbundenheit mit der Region stärken. Mängel bestehen laut Grundschullehrern vor allem bei den Themen räumliche Gesamtübersicht, Topografie, Umwelt, Ressourcen und historische Entwicklung, sagt Thomas Dierschke. An den weiterführenden Schulen mangelt es im Material vor allem an den Themen Industrie und Dienstleistungen. Neben digitalen, lizenzfreien Medien (20 Prozent) seien vor allem konventionelle Materialien wie Karten, Schaubilder und Texte (70 bis 80 Prozent) gewünscht.
Wünschenswert wäre, so Andrea Geistert-Krol, dass die Schulbuchverlage auf Grundlage der Umfrageergebnisse ihre Materialien überarbeiten. Das NRW-Schulministerium hatte eine verbindliche Vorschrift zur Gleichbehandlung der Landesteile abgelehnt.