Tödlicher Unfall in Espelkamp: Vorwürfe gegen die Bahn

Bundesverkehrsministerium veröffentlicht Untersuchungsbericht

VON NICO BUCHHOLZ

Ein Bahnübergangsposten schaut sich nach dem Unfall in Gestringen das Flatterband an. Links hinter dem Posten ist die rote Handleuchte zu sehen, um die es in der von der Untersuchungsstelle angesprochenen Regelung geht.ARCHIVfoto: Nico Buchholz - © Neue Westfaelische Zeitung
Ein Bahnübergangsposten schaut sich nach dem Unfall in Gestringen das Flatterband an. Links hinter dem Posten ist die rote Handleuchte zu sehen, um die es in der von der Untersuchungsstelle angesprochenen Regelung geht.ARCHIVfoto: Nico Buchholz (© Neue Westfaelische Zeitung)

Espelkamp/Bonn. Die schlecht erkennbaren Absperrungen durch Posten am Bahnübergang in Espelkamp-Gestringen haben vermutlich zu dem tödlichen Unfall im Januar dieses Jahres beigetragen. Zu diesem Schluss kommt die Eisenbahn-Unfalluntersuchungsstelle des Bundes (EUB). Eine mehrmonatige Störung der Schrankenanlage wie in Gestringen sei zudem "nicht akzeptabel".

Auf 31 Seiten beschreibt die Stelle, die vom Bundesverkehrsministerium geleitet wird, die Untersuchungen zu dem Unfall. Bei der Kollision eines Pkw mit einem Zug waren am 9. Januar ein 14-jähriges Mädchen getötet und zwei weitere Menschen verletzt worden. Es entstand ein Sachschaden in Höhe von 170.000 Euro.

In dem Bericht bezieht sich die EUB auf eine Bahnübergangs-Schau, bei der Licht- und Witterungsverhältnisse am Unfallort nachgestellt wurden. Die Gutachter legen sich dabei fest, dass "die Fahrerin des Pkw den Bahnübergang befahren hatte, obwohl dieser durch Posten mittels Absperrband und einer rot leuchtenden Lampe gesichert war." Das bestätigen Zeugenaussagen.

Die Autoren des Berichtes gehen davon aus, dass die Fahrerin die Absperrung übersah. Hierzu könnten "Dunkelheit, Regen und Gegenlicht in Verbindung mit der wenig auffallenden Postensicherung" beigetragen haben.

Die mangelnde Sichtbarkeit macht die Untersuchungsstelle unter anderem an dem nicht reflektierenden Flatterband fest. "Die quer über die Straße angebrachte Absperrgirlanden waren nur mäßig erkennbar." Vom weiß-roten Muster sei keine Signalwirkung ausgegangen. "Im Gegenlicht der auf der anderen Bahnübergangsseite wartenden Fahrzeuge waren die Girlanden eher als Schatten wahrnehmbar."

Die EUB kritisiert darüber hinaus eine Richtlinie zum Umgang mit der roten Handleuchte, die zum Einsatz kam. "Der folgenschwere Irrglaube, die Handlampe dürfe abgestellt werden, scheint jedoch nicht nur den in Espelkamp und an anderen Orten eingesetzten Posten, sondern auch einigen Verantwortlichen der DB Netz AG nicht vollumfänglich klar zu sein." Die Leuchten sollten in der Hand gehalten werden.

Abschließend empfiehlt die EUB, die Richtlinie zum Umgang mit der Leuchte zu konkretisieren und die Erkennbarkeit von Flatterband und Warnwesten zu verbessern. Bei länger andauernder Störung sollten zudem Verkehrsbehörden einbezogen werden sowie mobile Beleuchtung und Schranken zum Einsatz kommen.

Außerdem solle eine "akzeptable Maximaldauer" der Sicherung durch Bahnübergangsposten ermittelt werden. Die Form der Sicherung habe sich zwar in der Vergangenheit an anderer Stelle bewährt und stelle für Verkehrsteilnehmer kein Novum dar, die Untersuchungsbehörde stellt jedoch fest, dass "mit länger dauerndem Einsatz das Risiko menschlichen Fehlverhaltens steigt". Die Erkenntnisse aus Espelkamp würden über das Ereignis hinaus zu einer Bewertung zwingen. Der Einsatz von Sicherungsposten über mehrere Monate sei nicht akzeptabel.

Die Bahn will diese Ergebnisse des Untersuchungsberichts derzeit nicht kommentieren. "Wir werden mit der zuständigen Aufsichtsbehörde Gespräche hinsichtlich der Umsetzung der Empfehlungen führen", sagte ein Sprecher auf NW-Anfrage. Derzeit befindet sich am Bahnübergang in Gestringen eine mobile Schrankenanlage, die von Bahnübergangsposten bedient wird. "Im September 2013 soll diese durch eine neue Halbschrankenanlage ersetzt werden, die dem aktuellen Stand der Technik entspricht." Diese soll laut Bahn 500.000 Euro kosten.

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