Gütersloh. Ute Schäfer, Landesministerin für Familie, Kinder, Jugend und Kultur, nimmt es sportlich. "NRW ist auf die Nachfrage nach U-3-Plätzen gut vorbereitet." Der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz in einer Kindertagesstätte für ein- und zweijährige Kinder (U 3) könne erfüllt werden.
Doch die Bertelsmann-Stiftung gießt Wasser in den Wein. "Die Qualität der frühkindlichen Bildung ist ausbaufähig", heißt es im neuen "Länderreport Frühkindliche Bildungssysteme".
Darin hat die Gütersloher Stiftung für jedes Bundesland erfasst, wie viele Kinder ein Erzieher durchschnittlich betreut. Am besten schneidet Bremen ab mit einem Schlüssel von 1:3,1. Schlusslicht ist Sachsen-Anhalt mit 1:6,5. Die Stiftung empfiehlt ein Verhältnis von 1:3 für Kinder unter drei Jahren.
Bildungschancen verschlechtern sich
Rechnet man die Zeit etwa für Elterngespräche, Dokumentation und Fortbildung hinzu, betrüge dieser Personalschlüssel 1:4. Für NRW errechnete die Stiftung einen im Ländervergleich guten Personalschlüssel von 1:3,4. Doch die Bildungschancen der U-3-Kinder verschlechtern sich nach Angaben der Stiftung deutlich, wenn sie statt einer Krippe andere Gruppenformen besuchen, in denen auch ältere Kinder betreut werden.
In NRW zählten dazu Gruppen für Kinder unter vier Jahren, altersübergreifende Gruppen (bis zum Schuleintritt) und für Zweijährige geöffnete Kindergartengruppen – das sind Kindergartengruppen für Kinder ab drei Jahren, die auch Zweijährige besuchen. Mehr als 21 Prozent besuchen Gruppen für Kinder unter vier Jahren, die mit 1:3,7 noch einen vergleichsweise akzeptablen Personalschlüssel aufweisen.
24,5 Prozent der Kita-Kinder unter drei sind in einer altersübergreifenden Gruppe mit einem Personalschlüssel von 1:5,5. Weitere fast 38 Prozent der Kita-Kinder unter drei Jahren müssen sich in einer für Zweijährige geöffneten Kindergartengruppe mit einem durchschnittlichen Personalschlüssel von 1:7,6 begnügen.
Mehr Qualität durch bessere Personalschlüssel
Der notwendige Ausbau der Kita-Plätze dürfe in NRW "nicht zu Lasten der Qualität gehen", meint Jörg Dräger, für Bildung zuständiges Vorstandsmitglied der Bertelsmann-Stiftung. "Mehr als die Hälfte der unter Dreijährigen findet heute keine optimalen Bedingungen." Für die Qualität von frühkindlicher Bildung sei es von entscheidender Bedeutung, wie viele Kinder eine Erzieherin zu betreuen hat. Studien zeigten: Bessere Personalschlüssel ermöglichten mehr bildungsanregende Interaktionen und Aktivitäten für die Kinder.
Ähnlich sieht das der Bielefelder Sozialbeigeordnete Tim Kähler. "Wir müssen jetzt verstärkt an die Bildungsqualität in den Kitas denken." Dazu gehöre auch die Frage, wie viel Personal und welche Professionalität benötigt werde. Martin Künstler, Fachgruppenleiter beim Paritätischen Wohlfahrtsverband, wünscht sich etwa "Ergänzungskräfte mit der Ausbildung als Kinderpflegerin" als Teammitglied. Dann seien auch altersgemischte Gruppen pädagogisch zu verantworten.
Zeit zum Ausruhen bleibt ohnehin nicht. Jeden Monat wachsen Kinder nach, deren Eltern einen Betreuungsplatz erwarten dürfen. Eine Herausforderung speziell für den Kreis Lippe und Bielefeld. Dort wurden 2012 mehr Kinder geboren als in den Jahren davor. Lippe registrierte ein Plus von 6,7 Prozent.