Paderborn/Syke (nw). Ein Mann aus Paderborn wird von einem Kinderhospiz beschuldigt, ihm Gemälde widerrechtlich vorzuenthalten, die Prominente gespendet haben. Der Paderborner kontert: "Das Hospiz will die Bilder nur zu Geld machen. Das ist für mich wie ein Stich ins Herz.
Das Hospiz "Löwenherz" in Syke (Niedersachsen), in dem todkranke Kinder betreut werden, fährt schweres Geschütz gegen Rainer F. (Name geändert) auf. Man habe gegen den Mann, ein Mitarbeiter der Volksbank Paderborn, "Klageauftrag erteilt" um die Herausgabe der Bilder zu erzwingen, die mehr als hundert Prominente gemalt haben – darunter so illustre Namen wie der Kinderbuchautor Paul Maar, Schauspieler Götz George oder der Weltraum-Springer Felix Baumgartner.
Alle haben zu Pinsel und Zeichenstift gegriffen, weil F. sie darum gebeten hatte, die Hospizarbeit zu unterstützen. "Ich hatte einen Film über das Hospiz gesehen, der mich sehr berührte", sagte er dieser Zeitung.
Herzhafter Einsatz für Bilder-Ausstellung
Er schrieb, beginnend im Jahr 2011, an 700 Promis im In- und Ausland, legte eine 20 mal 30 Zentimeter große Leinwand bei und warb darum, "Ein großes Herz für kleine (Löwen)-Herzen" zu zeigen: "Ich möchte Sie bitten, ein Herz zu malen – ohne irgendwelche Vorgaben, sondern einfach so, wie es Ihnen gerade in den Sinn kommt", heißt es in den Briefen, in denen er die Arbeit des Hospiz lobt: "Es gibt keinen Trost dafür, ein Kind in den Tod gehen zu sehen, aber es gibt die Möglichkeit, ihnen und ihren Familien Liebe und Halt zu geben."
Mehrere tausend Stunden Arbeit und viele tausend Euro privates Geld habe er investiert für die Aktion, sagt F..
Vom Rücklauf war er "überwältigt". Mehr als 100 Bilder kamen zusammen. "Daraus will ich eine Ausstellung machen und sie viele Jahre lang möglichst oft zeigen, damit sie möglichst vielen Kindern hilft." Erschrocken sei er gewesen, als er erfahren habe, dass das Hospiz die Bilder nach der Ausstellung – geplant zum zehnjährigen Bestehen des Hospizes im September – versteigern wollte: "Es bricht mir das Herz, wenn der Schatz, den ich über Jahre gesammelt habe, auseinander gerissen wird."
Das Hospiz freilich behauptet, es sei von Anfang an klar gewesen, dass F. die Bilder übergibt und sie dann irgendwann versteigert werden könnten. In Syke ist man deshalb empört, dass F. die Bilder weiter bei sich in Paderborn behält.
Prominente und Volksbank decken F. den Rücken
Bis vorige Woche hatte der Bremer Anwalt des Hospizes, Arne Koch, eine Frist zur Herausgabe gesetzt. Weil die nun abgelaufen ist, werde man Klage beim Landgericht Paderborn einreichen. Eine Anzeige gegen F. erwäge man vorläufig nicht, denn man unterstelle dem Bankmitarbeiter, dass er seine Spendenaktion "in lauterer Absicht begonnen" habe, sagte Koch. Für das Hospiz sei die Auseinandersetzung aber "ein Drama".
Etliche Prominente hätten sich bereits "sehr enttäuscht" geäußert und die Rückgabe der Bilder gefordert, heißt es vom "Löwenherz"-Pressesprecher Heiner Brock. Der attestiert der Volksbank Paderborn im Übrigen, ihre Rolle in dem Konflikt mit F. sei "nicht ganz klar". Man habe Volksbank-Vorstand Karl-Heinz Rawert, der bei etlichen Treffen mit F. dabei gewesen sei, deshalb "um Klärung gebeten".
Im Gespräch mit dieser Zeitung versucht Rawert genau das, und stellt sich dabei ganz auf die Seite seines Mitarbeiters. F. sei als Privatmann zu ihm gekommen, weil er sich – ebenfalls in privater Initiative und ohne jede Beteiligung der Volksbank – schon seit Jahren für den Kinderschutzbund und mehrere Kinderhospize engagiere. So ging beispielsweise eine Sternradtour im Jahr 2011 zugunsten des ambulanten Kinderhospizdienstes Paderborn-Höxter auf die Initiative des Bankers zurück.
Engagement stößt auf finanzielle Interessen
Gemeinsam habe man überlegt, wie die "tolle Aktion", die F. auf die Beine gestellt habe, möglichst nachhaltig helfen könne. An diesen Überlegungen will Rawert sich auch weiter beteiligen und hofft noch immer auf eine "einvernehmliche Lösung".
F. jedenfalls versichert, dass er sich keineswegs sperre, die Bilder für Ausstellungen des Hospizes zur Verfügung zu stellen. Er wolle sie nur auf keinen Fall verkauft sehen. Und auch er selbst, so versichert der Paderborner, denke nicht daran, sie zu Geld zu machen: "Ich will da keinen Pfennig für haben." Dass sein Einsatz nun zu einem juristisch ausgetragenen Konflikt führt, entsetzt den Mann: "Was da passiert, schreckt wirklich davor ab, sich zu engagieren."