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Herford

Großalarm nach Drehbuch

Herforder Feuerwehr übt mit 75 Einsatzkräften am Stuckenberg

Arbeit am Wrack: Die Feuerwehrleute machen sich an der Buche zu schaffen, die auf den Kleinwagen gestürzt ist. Den Baum hat ein Kollege nur Minuten vor der Übung passgenau mit der Motorsäge gefällt. Das Auto kommt vom Schrottplatz. Fotos: Möller||
Arbeit am Wrack: Die Feuerwehrleute machen sich an der Buche zu schaffen, die auf den Kleinwagen gestürzt ist. Den Baum hat ein Kollege nur Minuten vor der Übung passgenau mit der Motorsäge gefällt. Das Auto kommt vom Schrottplatz. Fotos: Möller||

Herford. Es ist 17.17 Uhr, als am Stuckenberg die Hölle losbricht. Der Wald steht in Flammen, es gibt Verletzte. Laut Drehbuch. Noch steht hier allein Dieter Nolting auf einem matschigen Waldweg und sagt: "Ist nicht ganz einfach, was wir uns ausgedacht haben." Kein Rauch, kein Blut, nur ein Test, aber in enormen Dimensionen. Die gesamte Herforder Feuerwehr soll sich für den Ernstfall beweisen.

Unterbrandmeister Nolting hat das Drehbuch im Kopf. Und ein Opfer gibt's schon: Ein blauer Suzuki-Kleinwagen, geplättet von einer mächtigen Buche. Eigentlich sollte noch ein mit Kunstblut verziertes Opfer aus dem Team der DLRG ins Wrack krabbeln, aber der Baum hat ganze Arbeit geleistet. Da passt kein Mensch mehr rein. Hinterm Steuer klemmt eine Puppe. Sie ist der vorgesehene Todesfall bei der Übung.

Es ist 17.25 Uhr. Laut Vorgabe müssen Rettungskräfte in Herford innerhalb von acht Minuten zur Stelle sein. Aber immerhin befindet man sich hier ein gutes Stück im Wald. Ein Jogger kommt angelaufen: "Mensch, was ist denn hier passiert?" Brandmeister Marco Nolting, Sohn des Unterbrandmeisters, bleibt gelassen, sagt aber erstmals nichts von einer Übung - bis der Mann von selbst drauf kommt.

Überzeugende Schauspieler: Freiwillige von der DLRG Herford spielen verletzte Wanderer.
Überzeugende Schauspieler: Freiwillige von der DLRG Herford spielen verletzte Wanderer.

Das Einsatzdrehbuch: Ein Baum ist auf das Fahrzeug eines Waldarbeiters gestürzt. Der folgende Kurzschluss löst einen Brand aus, der sich rasch im Wald ausbreitet. 1.000 Quadratmeter stehen in Flammen, das naheliegende Hotel Waldesrand ist bedroht. Fünf Freiwillige der DLRG Herford spielen eine Wandergruppe, die verletzt gerettet werden muss.

Einmal im Jahr probt die Herforder Feuerwehr den Großalarm. Bis sie am Einsatzort ankommen, sollen vor allem die freiwilligen Kräfte vom Ernstfall ausgehen. Auch danach müssen sie professionell agieren und zeigen, dass sie die Abläufe in den verschiedenen Situationen beherrschen. Es seien einige unerfahrene Gruppenführer dabei, sagt Dieter Nolting. Er ist gespannt, wie sie die Aufgaben lösen.

17.32 Uhr: Der erste Feuerwehrmann ist am Wagen und überprüft den Fahrer. Der Stamm wird gesichert, dann zersägt. Andere Einsatzkräfte schwärmen in den Wald, suchen die vermissten Wanderer. Am Restaurant Steinmeyer bekämpfen weitere Löschkräfte den sich ausbreitenden Waldbrand. 75 Leute sind im Einsatz. Die hauptamtlichen Feuerwehrleute werden bald zu einem echten Einsatz gerufen, eine hilflose Person muss aus einer Wohnung geholt werden.

Feuerwehrchef Michael Stiegelmeier ist hinterher zufrieden: "Ziel und Zweck erreicht." Nur mit den analogen Funkgeräten habe es Probleme im Wald gegeben. Da ist aber Abhilfe in Aussicht. Ende November startet bei der Feuerwehr im Kreis der Probebetrieb für den neuen Digitalfunk.

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