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OWL mit Knie-Experten gut versorgt

Zahl der Eingriffe im regionalen Vergleich unauffällig

OWL mit Knie-Experten

gut versorgt - © OWL
OWL mit Knie-Experten gut versorgt (© OWL)

Gütersloh. Schmerzen in den Knien können die Lebensqualität stark beeinträchtigen. Manchmal hilft nur noch der Einsatz eines künstlichen Gelenks. Doch welcher Patient eine Kniegelenksprothese bekommt, hängt in Deutschland auch von seinem Wohnsitz ab. Das hat die Bertelsmann-Stiftung in einer Datenanalyse ermittelt. Das Ergebnis für OWL: Es gibt hier keine übereifrigen Knieschmiede.

Der genaue Blick der Stiftung auf die Versorgungswirklichkeit in Deutschland zeigt deutliche regionale Unterschiede: So bekommen Patienten künstliche Kniegelenke mit 161 pro 100.000 Einwohner am häufigsten in Bayern, mit 87 am seltensten in Berlin eingesetzt. Das Land NRW liegt mit 119 im Mittelfeld, aber unter dem Bundesdurchschnitt von 130.

Die Zahl für ganz Deutschland bewertet die Bertelsmann-Stiftung so: "Eine hohe Kniegelenkersatzoperationsrate scheint stärker mit der wirtschaftlichen Lage eines Landes zusammenzuhängen als mit Risikofaktoren und Bedarf. So finden sich zum Beispiel in der Schweiz sowie in Luxemburg, Belgien, Österreich, Deutschland und Finnland hohe altersstandardisierte Raten, während in Portugal, Ungarn und Slowenien die altersstandardisierte Rate nur etwa ein Viertel der deutschen Rate ausmacht."

Solche Eingriffe, wie hier in Herford, sind in Ostwestfalen-Lippe durchaus häufig. - © FOTO: GERALD DUNKEL
Solche Eingriffe, wie hier in Herford, sind in Ostwestfalen-Lippe durchaus häufig. (© FOTO: GERALD DUNKEL)

Auch innerhalb des Landes sind die Operationsraten durchaus unterschiedlich. In Leverkusen ist sie mit 86 am niedrigsten, im Kreis Siegen-Wittgenstein mit 161 fast doppelt so hoch.

So ausgeprägt sind die Unterschiede in OWL nicht, immerhin, es gibt sie. Mit der Operationsrate von 125 liegt der Kreis Minden-Lübbecke etwas über dem Landesdurchschnitt und in OWL vorne, der Kreis Paderborn zeigt mit 95 die niedrigste Operationsrate.

Die Stiftung hat auf der Grundlage des umfangreichen Zahlenwerks versucht, die regionalen Unterschiede zu erklären. So ist laut Stiftung ein Einflussfaktor für die Operationsrate das Angebot an Ärzten und die Möglichkeit, diese zu erreichen. Dort, wo es mehr niedergelassene Orthopäden gibt, wird seltener operiert – und umgekehrt. Aber: Die Ursachen hierfür können aus den vorliegenden Daten nicht erschlossen werden.

Eine Vermutung ist, dass Orthopäden nichtoperative Behandlungsmethoden länger anwenden und anscheinend seltener eine Operation empfehlen. Solche konservativen Behandlungen machen unter Umständen wiederholte Arztbesuche notwendig; dies könnte den Zusammenhang mit der Ärztedichte erklären.

Ein weiterer Erklärungsansatz ist die sozioökonomische Lage, was sich zusammengefasst so liest: "Schwache Kreise weisen eine niedrige Operationsrate, starke eine hohe Eingriffsrate auf."

Dazu kommen weitere Einflussfaktoren, die alle – und zwar unabhängig voneinander – einen statistischen Zusammenhang zur Operationsrate erkennen lassen. Mit Blick auf die Versorgungssituation in der Region OWL sind die Zusammenhänge allerdings schwer bis gar nicht nachvollziehbar. So wäre zum Beispiel für den Kreis Höxter mit Blick auf die sozioökonomische Situation eine höhere, für den Kreis Gütersloh eine geringere Operationsrate zu erwarten. Im Kreis Herford müsste die hohe Zahl von Arthroskopien der Hypothese der Stiftung folgend auch eine höhere Operationsrate zur Folge haben.

Insgesamt liegt man nicht falsch mit dem Urteil, dass die Region – OWL-typisch solide – einerseits gut versorgt ist, andererseits eine unbegründete Überversorgung aus den Ergebnissen der Studie nicht ableitbar ist.

Information

Gute Versorgung

  • In OWL muss sich offenbar kein Patient darum sorgen, dass sein Arzt ihm womöglich unnötigerweise ein künstliches Kniegelenk verpasst. Die Versorgung in der Region ist im NRW- und deutschlandweiten Vergleich solide.
  • Wer wissen möchte, an welchen Kliniken in der Region künstliche Kniegelenke eingesetzt werden, und gleichzeitig einen Hinweis auf die Ergebnisqualität wünscht, kann einen Blick in den Klinikführer OWL werfen, der für 9,90 Euro in den Geschäftsstellen dieser Zeitung zu haben ist.

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