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Paderborn/Lippstadt

42-Jähriger prellt Windkraft-Anleger

Lippstädter lockte mit Renditen von zehn Prozent

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Paderborn/Lippstadt (JS). Zu einem Vermögen zu kommen, ohne einen Finger krumm zu machen, das ist ein Traum, den jeder einmal hat. Manche Menschen lässt die Vorstellung, den schnöden Mammon für sich arbeiten zu lassen, unvorsichtig werden. Sie gehen windigen Versprechen von hohen Renditen auf den Leim – so wie es womöglich im Fall des Lippstädters Mike T. geschehen ist.

Der 42-Jährige ist nämlich nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft Bielefeld ein Betrüger, der vor allem bei der Planung von Windkraftanlagen in Salzkotten und Blaufelden (Baden-Württemberg) Anleger prellte. Schadenssumme: insgesamt rund 1,5 Millionen Euro.

Eine gute Stunde lang schilderte Oberstaatsanwalt Ralf Günther am Freitagmorgen vor dem Paderborner Landgericht, dass der gelernte Sparkassenmann Mike T. für einen Windpark in Blaufelden zahlreiche Anleger mit dem Versprechen von zehn Prozent Rendite gelockt habe.

Zwischen 5.000 und 100.000 Euro machten Männer und Frauen für Genussscheine oder stille Teilhaberschaft locker. Manche ließen sich gleich mehrmals zu einem Engagement in den Projekten des Lippstädters verführen, der die Beträge weder vereinbarungsgemäß zurückzahlte noch die Rendite ausschüttete. Auch als Geschäftsführer der Bürgerwindkraftanlage Lindlein soll T. unehrlich gewesen sein und 90.000 Euro veruntreut haben.

Geprellt wurde anscheinend zudem ein Bauunternehmer um 564.000 Euro, der für den geplanten Blaufelder Windpark Wege und Fundamente baute, aber dafür keinen Cent erhielt.

"Stets im Sinne der Anleger und Investoren gehandelt"

Mike T. sieht sich ganz anders. "Ich weise jede vorsätzliche Handlung wie Betrug weit von mir", sagte er. Er habe stets im Sinne der Anleger und Investoren gehandelt. "Ich habe auf die Ehrlichkeit anderer Leute vertraut", betonte er und spielte damit anscheinend auf seinen ehemaligen Mitstreiter, den Salzkottener "Sonnenkönig" Michael Behlau, an, der weiland mit seinem Sun-Driver Furore gemacht hatte. An Behlau ließ er nämlich in seinen einführenden Worten kein gutes Haar. Nähere Einzelheiten – auch zu seinem eigenen Treiben – tat Mike T. aber (noch) nicht kund. Man habe die Einlassung nicht komplett formulieren und fertigstellen können, erklärte Verteidiger Peter Wehn. Schließlich sei just am Mittwoch sein Mandant festgenommen und in Untersuchungshaft gebracht worden.

Für Mike T. keine unbekannte Situation. Schließlich hat er schon im Sommer einige Zeit hinter Gittern verbringen müssen, da die Staatsanwaltschaft damals befürchtete, dass sich der Lippstädter absetzen werde. Das Landgericht hob den Befehl jedoch wieder auf – ein Vertrauensvorschuss, wie der Vorsitzende Richter Bernd Emminghaus erklärte.

Doch als nun der Verdacht aufkam, dass Mike T. trotz des laufenden Verfahrens erneut im "Windpark Blaufelden herumrührte", wie Oberstaatsanwalt Günther sagte, und mit ehemaligen Sponsoren und Unterstützern in Kontakt stand, musste T. in die U-Haft zurückkehren – wegen Verdunklungsgefahr. Der Prozess geht am kommenden Freitag weiter.

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