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Herford

Hits aus Herford für das Telefon

Stefan Ladage produzierte letztes Jahr 46.000 Warteschleifen

Stefan Ladage produziert am laufenden Band in seinem Tonstudio in Eickum - auch Hits, die in die Charts klettern.
Stefan Ladage produziert am laufenden Band in seinem Tonstudio in Eickum - auch Hits, die in die Charts klettern.

Herford. Meist tritt ja der Sohn in die Fußstapfen des Vater. Bei Stefan Ladage ist es anders herum. "Das klappt gut, ich kenne ihn ja schon lange", sagt der Herforder Unternehmer und lacht. Die Kunden seien allerdings manchmal verwirrt, wenn sie den Junior sprechen wollten und Vater ans Telefon bekämen. Aber so ist das mit jungen Leuten und ihren innovativen Ideen. Ladages Idee war die mit den Warteschleifen.

Mitte der 90er Jahre besetzte der heute 46-Jährige eine Marktlücke, als er individuelle Telefon-Warteschleifen komponierte und anschließend mit Ansagen einer Sprecherin abmischte. Die meisten Unternehmen hatten bis dahin ihre Kunden mit absoluter Stille, Balladen wie "Pour Elise" oder Mozarts "Kleiner Nachtmusik" gelangweilt.

Inzwischen ist die Nachfrage groß, riesig sozusagen. Denn Ladage hat seit rund vier Jahren die Telekom als Partner. Und die hat viele Kunden. Alle 2,5 Minuten geht eine Warteschleife aus dem Produktionsstudio in Eickum an einen Kunden, rund 46.000 waren es allein im letzten Jahr, alle individuell produziert, wenn auch nicht alle individuell komponiert.

Kontakte über Telefon und Videokonferenzen

Im Durchschnitt 4,5 Arbeitsstunden benötigen Ladage und sein 27-köpfiges Team, um eine Produktion fertigzustellen, die Hälfte davon stecken sie in die Kundenberatung. Das klappt nur mit einem ausgeklügelten System - ähnlich einer Fertigungsstraße bei der Autoproduktion. Und das ist nur zu schaffen, wenn sämtliche Kundenkontakte über Telefon und Videokonferenzen im Internet laufen.

Und trotzdem legt Ladage Wert auf Individualität. "Es gibt immer noch Branchen, die Werbung fahren", sagt der Tontechniker. Seine Media GmbH setzt stattdessen auf Information und Eigendarstellung abseits der Selbstbeweihräucherung.

Audio

"Die Warteschleife ist das Pendant zur Homepage und wie eine Visitenkarte", sagt Ladage. Sie lasse sich nutzen, um das eigene Profil für den Anrufer zu schärfen oder ihn - wie im Fall eines Bestatters - auf das anstehende Gespräch vorzubereiten.

Verhandlungen mit Bohlens Management

Einige Beispiele: Die Ansage von Fluggesellschaften kann mit Startgeräuschen beginnen, die eines Outdoorjacken-Herstellers mit Dschungelgeräuschen. Der Werbesong zur Düsseldorfer Bootsmesse beginnt mit Mövengeschrei.

Die Auftraggeber der "Boot" hatten zudem den Wunsch nach einem souligen Song ähnlich Joe Cockers "Sail Away" und wollten beide Geschlechter ansprechen. Die männliche Stimme war schnell gefunden, bei der weiblichen stießen der Herringhauser und sein "Dream Team", wie er sagt, auf Franziska Urio, eine der Finalistinnen von "Deutschland sucht den Superstar". Da wurde die Produktion auch für Ladage eine ganz besondere. Denn über sie und ihre "unglaubliche Stimme" verhandelte er mit Dieter Bohlens Management. "Man kann über Dieter sagen, was man will, aber in seinem Bereich ist der Spitze."

Die Musik war es - wie in anderen Fällen - ebenfalls. Und so schwappt ein Hit aus dem Telefonhörer gelegentlich auch mal in die Charts. Als junger Mensch hatte sich Ladage mit seinen Produktionen dort sowieso gesehen. Inzwischen ist er froh, dass er die "Stutenbeißerei" unter den Charthit-Produzenten eher aus der Ferne beobachten kann. "Ich fühle mich in meinem Job sehr wohl."

Zumal er - trotz 50 bis 60 Fernsehberichten allein im vergangenen Jahr - immer noch anonym bleiben kann. "Jeder wird von unseren schönen Melodien zugesäuselt", sagt er schmunzelnd. "Aber man erkennt uns nicht."

Hörbeispiele gibt es unter www.ladagemedia.de.

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