Eine gern diskutierte Frage unter Menschen, die ihrer Mähne etwas Gutes tun wollen: Sollte man nasse Haare besser föhnen oder Geduld haben - und sie an der Luft trocknen lassen? «Ein Föhn sorgt für Glanz», argumentieren die einen. «Hitze zerstört das Haar», die anderen. Wer hat recht?
Wie so oft im Leben liegt die Antwort irgendwo dazwischen. Friseurmeister Antonio Weinitschke rät zum Föhn - allein schon, weil man ohne Wärme keine ordentliche Frisur hinbekäme. Weinitschke, der Art Director beim Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks ist, bestätigt außerdem das Glanz-Argument: «Unser Haar besteht aus Schuppenschichten», sagt er. Erhitzte Luft glättet diese - und lässt das Haar glänzen.
Wenn, dann richtig - mit mittlerer Wärme
Aber: Weinitschke räumt ein, dass der falsche Umgang mit dem Föhn dem Haar auch schaden kann. Und zwar, wenn man es zu heiß föhnt - und den Föhn gezielt aufs Haar hält, «also wenn die Föhnluft nicht über das Haar gleitet, sondern in das Haar eindringt», so der Friseurmeister.
Diese Tipps gibt der Experte fürs richtige Föhnen:
- Der Föhn sollte eine Düse haben, damit man die Luft gezielt über das Haar gleiten lassen kann.
- Eine mittlere Wärme sollte es schon sein beim Föhnen - «kalt passiert gar nichts», so Weinitschke. Und: Je kräftiger das Haar ist, desto mehr Wärme hält es aus.
- Geföhnt wird vom Ansatz zu den Spitzen, also in Richtung der Schuppenschicht. Andersherum würde man das Haar aufrauen. Die Folge: Es sieht stumpf aus.
- Am besten verwendet man einen Hitzeschutz. Auch Leave-In-Conditioner, der ins handtuchtrockene Haar eingearbeitet wird, und Pflegeöle sorgen dafür, dass geföhntes Haar nicht austrocknet.
Nur nicht zu lange trocknen lassen
Der Frage, wie man seine Haare mit dem geringstmöglichen Schaden trocknet, hat sich übrigens auch eine koreanische Studie gewidmet, die 2011 in den «Annals of Dermatology» veröffentlicht wurde.
Das Ergebnis: Föhnen führt demnach zwar zu mehr Schäden an der Haaroberfläche, vor allem bei geringem Föhn-Abstand und hohen Temperaturen. Überraschenderweise fand das Forscherteam aber nur bei dem luftgetrockneten Haar Schäden im Zellmembran-Komplex, einer Verbindungsschicht zwischen den Haarzellen, die für Stabilität, Schutz und Feuchtigkeitsregulation sorgt.
Die Forscher vermuten, dass das Haar zu lang im nassen Zustand bleibt, wenn man es an der Luft trocknen lässt. Nasses Haar quillt auf, Wasser kann dadurch in seine Strukturen eindringen und im Inneren Schaden anrichten.
Die Schlussfolgerung: Langer Kontakt mit Wasser könnte schädlicher für die Haare sein als die Hitze eines Föhns. Als ideale Trockenmethode empfehlen die Studienautoren, Haare mit einem Föhn-Abstand von 15 Zentimetern und in kontinuierlicher Bewegung zu föhnen.