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Höxter/Paderborn

Bosseborn-Prozess: Folter-Paar filmt die Qualen seiner Opfer

Höxter/Paderborn. Es sind schon viele entsetzliche Details im Bosseborn-Prozess offenbar geworden. Vor allem die Angeklagte Angelika W. hat detailliert geschildert, wie sie selbst von ihrem Ex-Mann Wilfried W. misshandelt wurde, aber auch welche Qualen ihre beiden Opfer Annika W. und Susanne F. hatten erdulden müssen.

Als Dienstag, nach dreiwöchiger Pause, das Schwurgericht Paderborn wieder einstieg in die Aufarbeitung des Falles, blieb dem dieses Mal nicht sehr zahlreichen Publikum aber zumindest eine optische Darstellung der Gräueltaten erspart.

Im Landgericht Paderborn mangelt es nämlich an Beamer und Leinwand und so stehen am 23. Verhandlungstag 18 Prozessbeteiligte hinter dem Vorsitzenden Richter Bernd Emminghaus, seiner Beisitzerin und dem Polizeibeamten, der eine CD mit Fotos und Videos in einen Laptop eingelegt hat. Ganz leise werden Fragen gestellt und beantwortet, während im Zuschauerraum fast völlige Stille herrscht.

Als urplötzlich aus dem Lautsprecher Angelika W.s Stimme erschallt, die in einem harschen Kommandoton Aufforderungen und Tadel bellt, später auch das Lispeln von Wilfried W. mit unflätigen Kraftausdrücken zu hören ist, hat wohl niemand mehr das Bedürfnis, dicht dran zu sein an den Geschehnissen in Bosseborn, die zwei Frauen das Leben kosteten, und die Bilder und Filme zu sehen, die die Ermittler auf den Handys der Angeklagten sicherstellen oder wiederherstellen konnten.

Alles andere als schön seien die Aufnahmen, wird Angelika W.s Verteidiger Peter Wüller nach Verhandlungsende sagen. Vor allem auf einem Video sei Susanne F. zu sehen, wie sie in einem "völlig hilflosen" und letztlich erbärmlichen Zustand nackt in der Badewanne liege. Diesen Film habe Wilfried W. gedreht, erklärt Wüller.

Rechtsmedizinerin untersuchte Angelika W.

Das zweite große Thema dieses Tages ist Angelika W. selbst. Eine Rechtsmedizinerin hat die 48-Jährige nach ihrer Festnahme gründlich untersucht. Viele, viele Narben hat die Expertin auf nahezu dem ganzen Körper der Angelika W. festgestellt. Darunter auch Folgen einer heftigen Verbrühung des linken Armes, die sogar tiefere Hautschichten verletzte. Die Expertin ist sicher, dass all diese Blessuren auf Fremdeinwirkung zurückzuführen sind. Dafür sprächen "die Summe der Verletzungen und die Lokalisation", sagt sie.

Ihre Ausführungen macht die Rechtsmedizinerin mit Hilfe von Fotos, die sie vom Köper der Angelika W. gemacht hat. Wieder versammeln sich die Prozessbeteiligten am Verhandlungstisch - aber ohne Wilfried W.. Sonst immer ganz bei der Sache und stets bereit, nach vorn an den Richtertisch zu treten, um Beweismittel in Augenschein zu nehmen, bleibt er jetzt lieber auf der Anklagebank sitzen und macht sich Notizen - vielleicht als Vorbereitung auf den nächsten Prozesstag. Dann wird der Leiter des rechtsmedizinischen Instituts aussagen, in dem der Leichnam von Susanne F. obduziert wurde.

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