Lage. „Tauchen ist eigentlich ein Erholungssport“, sagt Bernd Funke. Ein Sport für Jedermann. Seine älteste Tauchschülerin war 72 Jahre alt.
Wenn die Badegäste sich in den Sommermonaten langsam aus dem Freibad am Werreanger verabschieden, beginnt für den Tauchclub Lage jeden Donnerstagabend die Trainingszeit. Manchmal tummeln sich nur ein paar der 60 Mitglieder unter Wasser. So wie an diesem Spätsommerabend, an dem ich mit Tauchlehrer Bernd Funke die Unterwasserwelt des Pools erkunden will.
Einen Neoprenanzug wie die Mitglieder des Tauchclubs habe ich nicht. Aber für einen ersten Eindruck – eine Mini-Schnupperstunde – wird es wohl auch im Badeanzug gehen. Die Außentemperaturen sind angenehm warm, auch das Wasser hat etwa 22 Grad Celsius. Doch das täuscht: „Ohne Neoprenanzug kühlst du nach einer halben Stunde aus“, sagt Funke. Er wird recht behalten.
Das Ziel eines jeden Teilnehmers ist wohl, irgendwann einmal die Schönheit unter Wasser bewundern zu können – auf Augenhöhe mit geheimnisvollen Wracks, farbenfrohen Fischen und anderen Meerestieren. Die Sauerstoffflasche auf dem Rücken machts möglich. Sauerstoffflasche? Funke schüttelt heftig den Kopf. „Das ist eine Pressluftflasche“, korrigiert er. Damit kann der Taucher entspannt die Unterwasserwelt erkunden – mit einem Profigerät bis zu drei Stunden, unabhängig von der Tiefe: „Quasi wie auf dem Sofa“, sagt Funke.
So einfach ist es dann aber doch nicht. Vom Profi bin ich weit entfernt. Der kurzen Einführung in die Ausrüstung – spezielle Jacke mit Pressluftflasche, Tauchermaske, Flossen – folgt auch schon die Praxis. Hinein in den Pool. Die Anfänger-Flasche ist viel leichter als ein Profigerät. Dennoch lastet sie wie ein schwerer Rucksack auf meinen Schultern. Bis ich im Wasser die Schwerelosigkeit spüre. „Bevor du die Tauchermaske aufsetzt, musst du hineinspucken und die Spucke verreiben, sonst beschlägt die Maske unter Wasser“, rät Funke. Ich gucke ungläubig – das meint er ernst!
Dann folgt der erste Tauchgang – und ist auch schon wieder vorbei. Mit wenigen Zeichen verständigt man sich unter Wasser – Funke bedeutet mir, aufzutauchen. Dass er mir dann ein Stück Blei in die Weste steckt, hat nichts damit zu tun, dass ich zu leicht wäre, sondern mit meinen mangelnden Tauchfähigkeiten. So beschwert, gehts plötzlich viel einfacher hinunter an den Beckengrund.
Ein bisschen Angst vor der neuen Erfahrung habe ich schon. „Das ist okay, aber es darf nicht in Panik umschlagen“, erklärt Funke. Um zu gucken, wie es mir geht, weicht der Tauchlehrer nicht von meiner Seite – selbst wenn das Freibadbecken nur drei Meter tief ist. Es geht gut. Anfangs versuche ich noch, mich mit Schwimmbewegungen fortzubewegen. Doch beim Tauchen ist nur das Paddeln mit den Flossen gefragt – eigentlich müsste man dafür noch nicht einmal schwimmen können.
„Tauchen ist die Raumfahrt des kleinen Mannes“
Ich schaue mich unter Wasser um – Hautschüppchen und Haare, Poolverschlüsse und Klappen – viel hat das Freibad nicht zu bieten. Dennoch spüre ich die Faszination, lange unter Wasser bleiben zu können. „Tauchen ist die Raumfahrt des kleinen Mannes“, sagt Funke augenzwinkernd. Wie grandios müssen Ausflüge in die Unterwasserwelt des Mittelmeeres, des Atlantiks oder des Roten Meeres erst sein? „Je nach Leistungsfähigkeit und Interesse kann jeder seine Ziele selbst wählen“, erklärt Sven Hoppe, Pressesprecher des Vereins, warum sich das Tauchen immer mehr zu einem Breitensport entwickelt hat.
Funke, der seit mehr als 30 Jahren taucht, hat schon viel gesehen unter der Wasseroberfläche. Sein schönstes Erlebnis? „Die Begegnung mit einem etwa sechs Meter großen Walhai auf den Malediven. Das vergisst man nie“, schwärmt er. Das klingt nach mehr Meer.
Grundkurs startet im Oktober
Im Frühjahr und Herbst bietet der Tauchclub Lage auch Grundkurse im Hallenbad Werreanger an. 135 Euro kostet so eine vier- bis sechswöchige Poolausbildung – Theorie und Praxis werden gelehrt und enden mit einer Prüfung. Der nächste Kursus startet am Donnerstag, 8. Oktober, um 18 Uhr mit der Theorie und um 20 Uhr mit dem Tauchen. Anmeldungen: stefanfreitag@tauchclub-lage.de. Weitere Informationen gibt es unter www.tauchclub-lage.de
Ernährungstipp: Schwerelos in die Tiefen
Um für einen Tauchgang genügend Ausdauer und Kraft zu haben, sollte eine Mahlzeit aus Eiweißbausteinen und Kohlenhydraten zusammengesetzt sein. Bestens eignet sich ein Frühstück, das aus Joghurt mit Haferflocken besteht, oder ein Vollkornbrötchen mit Hüttenkäse. Isst man zu üppige oder stark blähende Speisen, kann es zu Übelkeit oder einer Magenüberdehnung kommen. Noch wichtiger ist ausreichendes Trinken. Unter Wasser hat der Taucher einen hohen Flüssigkeitsverlust, den es mit Mineralwasser oder Saftschorlen auszugleichen gilt. Zweieinhalb bis drei Liter Flüssigkeit sollte man über den Tag verteilt trinken.
(Silka Göhler und Steffi Rempel, Ernährungsberatung und Diättherapie)
Fitnesstipp: Der Korkenzieher für den starken Bauch
Anna Muer empfiehlt eine effektive Übung zur Straffung der unteren Bauchmuskulatur. Die Übung beginnt in Rückenlage, die Arme liegen gestreckt neben dem Körper, der Blick ist nach oben gerichtet. Nun die Beine anheben, sodass die Fußsohlen zur Decke zeigen. Mit Hilfe der Bauchmuskulatur das Gesäß anheben und wieder absenken. Die Beine bleiben gestreckt. Etwa 25 bis 30 Mal wiederholen.