Wenn jedes Kilo mehr schmerzt: Ärzte klären über Ursachen und Folgen von Übergewicht auf

Erol Kamisli

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Im Einsatz: Jan Hoppe ist Facharzt für Viszeralchirurgie. Auf seinem Schreibtisch zeigt er drei Miniaturmodelle von Mägen, wie sie nach einer Adipositas-Operation aussehen können. - © Torben Gocke
Im Einsatz: Jan Hoppe ist Facharzt für Viszeralchirurgie. Auf seinem Schreibtisch zeigt er drei Miniaturmodelle von Mägen, wie sie nach einer Adipositas-Operation aussehen können. (© Torben Gocke)

Kreis Lippe. Zwei, drei Kilo zu viel – damit kommen Betroffene noch gut klar. Aber 30, 40 Kilo zu viel gefährden die Gesundheit. In Deutschland ist fast jeder Vierte übergewichtig. Auch die Zahl der Schwergewichtigen in Lippe nimmt zu. Daher laden LZ, Ärztekammer, AOK und das Klinikum Lippe zu einer Diskussionsrunde unter dem Titel „Übergewichtig – Ursachen und Folgen" ein.

Jedes sechste Kind gilt als zu dick

„Alarmierend ist, dass unter den Übergewichtigen der Anteil der extrem Übergewichtigen zunimmt", sagt Jan Hoppe, Facharzt für Viszeralchirurgie im Adipositaszentrum am Klinikum Lippe. Also derer, die an Fettleibigkeit leiden, medizinisch Adipositas genannt. Auch Kinder seien davon betroffen – jedes sechste Kind gelte als zu dick.

„Übergewicht entsteht, wenn man auf Dauer mehr Kalorien zu sich nimmt, als der Körper verbrauchen kann. Wer also zu viel isst und sich gleichzeitig zu wenig bewegt, muss damit rechnen, dass sich mit der Zeit Fettpolster bilden", so Hoppe.

Das könne ganz allmählich passieren und bedeute nicht zwangsläufig, dass der Betroffene ständig riesige Portionen in sich hineinschaufele. „Weil die Extrakilos nicht weh tun, ist vielen nicht bewusst, dass sie ein höheres Risiko mit sich herumtragen, krank zu werden", so Hoppe.

Übergewicht belastet Knochen und Gelenke

Das hohe Gewicht könne beispielsweise Knochen und Gelenke schädigen. Außerdem litten Übergewichtige auch häufiger an Herzkrankheiten, bestimmten Krebsarten und Diabetes. Dabei werde Zucker aus der Nahrung im Körper nicht mehr richtig verarbeitet und bleibe im Blut.

„Das kann unter anderem Nerven, Nieren und Augen schädigen. All diese Krankheiten entwickeln sich oft schleichend, über Jahre und Jahrzehnte hinweg", so Hoppe. Der menschliche Körper sei nicht für dauerhaftes Übergewicht und Fettleibigkeit ausgelegt. Diese beginne bei einem Body-Mass-Index (BMI) von über 30.

Dabei würden drei Schweregrade unterschieden. Ideal sei ein BMI zwischen 19 und 25. „Übergewichtig ist man ab einem BMI zwischen 25 und 30 und bedenklich wird es mit einem BMI von über 40 und mehr." Im lippischen Adipositaszentrum würden die Menschen aufgeklärt und bei Bedarf auch operiert, um wieder eine „normales" Leben führen zu können. „Adipositas ist alles andere als ein kosmetisches Problem", betont Hoppe.

Die Magenband-Operationsmethode sei veraltet. „Wenn wir operieren, wird aus dem Magen, der ja an einen Sack erinnert, ein Schlauch geformt oder der Anschluss zum Darm verändert – beide Methoden sorgen dafür, dass die Betroffenen eher ein Sättigungsgefühl haben", erklärt Hoppe.

Wichtig aus medizinischer Sicht sei auch die Fettverteilung. Besonders übel wirke sich das Fett im Oberbauchraum und an den inneren Organen (viszerales Fett) aus, denn das könne den Stoffwechsel von Fetten und Kohlenhydraten beeinflussen. „Ein deutlich erhöhtes Risiko für eine ungünstige oder gefährliche Verteilung des Körperfetts haben Frauen mit einem Taillenumfang über 88 und Männer über 102 Zentimeter ", sagt der Lagenser Diabetologe Dr. Jürgen Vortherms.

Fragerunde mit Medizinern

Dem Thema Übergewicht widmet sich „Gesundheit im Dialog" am Donnerstag, 14. November , im Residenz-Hotel Detmold (Paulinenstraße 19). Von 19 bis 20.30 Uhr referieren die beiden Mediziner aus Lippe, Jan Hoppe, Facharzt für Viszeralchirurgie im Adipositaszentrum am Klinikum Lippe, und Diabetologe Dr. Jürgen Vortherms aus Lage.

Sie sprechen über Ursachen und Folgen von Übergewicht sowie Untersuchungs- und Operationsverfahren. Anschließend kommen Sie zu Wort. Einlass ist ab 18.30 Uhr. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Der Eintritt ist frei.

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